Ärzte Zeitung, 02.04.2015

Abrechnungsbetrug

Bei Heilmitteln versickert das meiste Geld

1,3 Millionen Euro holte sich die DAK 2014 wegen vorsätzlich falscher oder vertragswidriger Abrechnung von den Leistungserbringern zurück.

HAMBURG. Heilmittel, Arzneimittel, und Pflege: Das sind die Leistungsbereiche, in denen die Kassen offenbar das meiste Geld durch betrügerische Abrechnung verlieren. So jedenfalls fällt die aktuelle Bilanz bei der bundesweit drittgrößten Kasse, der DAK-Gesundheit, aus.

Erst an vierter Stelle kommt die ärztliche Abrechnung. Insgesamt konnte das zehnköpfige Ermittlerteam der Hamburger Ersatzkasse 2014 rund 1,3 Millionen Euro aus gefälschten Rezepten, erfundenen Behandlungen oder manipulierten Rechnungen zurückholen. Rund 1000 Fälle seien bis Jahresende abgeschlossen worden, heißt es. Aktuell gingen die DAK-Ermittler 1700 Hinweisen nach.

"Abrechnungsbetrug ist kein Massenphänomen im Gesundheitswesen", so Volker zur Heide, Leiter der DAK-Ermittlungsgruppe. "Soweit es möglich ist, gehen wir konsequent gegen die Betrüger vor und holen uns das Geld zurück, weil wir dies unseren Versicherten schuldig sind."

Nach Einschätzung der Kasse werde die Verfolgung von Abrechnungsbetrug "immer schwieriger". Deshalb begrüße man auch die laufende Gesetzgebung, einen neuen Straftatbestand Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen einzuführen.

Die erfolgreichen Rückforderungen der DAK-Gesundheit 2014 im Einzelnen:

- 392.000 Euro brachten vorsätzlich falsch oder vertragswidrig abgerechnete Heilmittel.

- Betrug im Leistungsbereich Arznei- und Verbandmittel brachte 247.000 Euro.

- In der Pflege konnte die DAK 211.000 unrechtmäßig erworbene Euro zurückfordern.

- Ärztlicher Abrechnungsbetrug steuerte 120.000 Euro zu den Rückflüssen bei.

- Auf lediglich fünfstellige Summen addierten sich Falschabrechnungen von Hilfsmitteln (96.000 Euro), Zahnärzten (65.000 Euro) und Krankentransporten (35.000 Euro). (cw)

[05.04.2015, 16:13:16]
Norbert Meyer 
Widerspruch
Gerade die DAK hat sich negativ bei Abrechnungen für PHYSIOTHERAPEUTEN aufgeführt. So wurden mir drei Verordnungen von Arzt einfach nicht vergütet, Schaden 680 €, mit der Begründung ärztlicherseits läge kein Grund vor!
Betrug an Leistungserbringer der sich auf den Sinn der ausgestellten Verordnung letztlich verlassen muss.
Eine Kasse welche den Zusatzbeitrag erhöhen musste, holt es sich bei uns zurück,
sind wir die "stille Reserve "!  zum Beitrag »
[04.04.2015, 10:32:27]
Dr. Wolfgang Bensch 
Abrechnungsbetrug per KV vollkommen legal
Bekommen Vertragsärzte etwa angemessene Preise für ihre Leistungen?
Regelleistungsvolumina über einen Zeitraum von 3 Monaten im niedrig zweistelligen Bereich - wen "betrügt" man da?
Den zugelassenen Kassenarzt, der sogar noch zur seine Dienstverpflichtung im Notfalldienst bezahlen muss - praktischerweise im Honorarabzug bei der Quartalsabrechnung.
So betrügen sich die Ärzte selbst untereinander. zum Beitrag »
[03.04.2015, 23:05:02]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Beliebtes Ärzte-"Bashing" - weiterhin deplatziert!
Seit Jahren derselbe Trend: Der vielzitierte Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen findet zu g e r i n g s t e n Anteilen bei den Vertragsärzten/-innen in der Humanmedizin statt. Diese Berufsgruppe war auch nach dem früheren DAK-Report des zehnköpfigen Ermittlungsteams aus dem letzten Jahr 2014 im Kampf gegen Abrechnungsbetrug erst auf den hinteren Rängen vertreten.

Für das Jahr 2013 wurden bei einer Gesamt-Schadenssumme von 1,6 Millionen Euro bei Leistungserbringern aufgrund von Betrügereien wie gefälschten Rezepten, Scheinbehandlungen und manipulierten Rechnungen nur in 7,19 Prozent die Vertragsärzte/-innen verantwortlich gemacht.

Im Jahr 2012 führten bei der DAK die "Hitliste" bei Betrug, Abrechnungsmanipulation und korruptivem Verhalten zunächst der Hilfsmittel-, Arzneimittel-, Heilmittel- und Pflegebereich im Zusammenhang mit gefälschten Rezepten, Schein-Behandlungen und manipulierten Rechnungen als TOP-4 an. Die Kasse holte sich damals ebenfalls insgesamt 1,6 Millionen € zurück. An fünfter Stelle lag die durch Ärzte verursachte Schaden-Höhe bei 8 % der Gesamtsumme. Vgl. Ärzte-Zeitung vom 19.4.2013 http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/krankenkassen/article/837425/abrechnungsbetrug-dak-holt-16-millionen-euro-zurueck.html

2011 hatte die KKH Allianz in ihrem GKV-Geschäftsbereich eine Gesamtschadenssumme von 934.000 Euro in 589 Fällen. Am häufigsten hatten damals die Physiotherapeuten betrogen. Darauf folgten Apotheken und die häusliche Pflege. Ärzte standen erst an vierter Stelle - ebenso bei den errechneten Schadenssummen. Dort hatten stationäre Behandlungen, Apotheken und Physiotherapie die Liste angeführt. Vgl. Ärzte Zeitung vom 29.2.2012
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/article/806466/lasche-betrugskontrolle-durch-kven.html

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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