Ärzte Zeitung online, 14.04.2015

Vergewaltigungs-Vorwürfe

"Ich bin nicht Dr. Pervers"

Ein wegen sexuellen Missbrauchs angeklagter Ex-Chefarzt hat sich am zweiten Verhandlungstag ausführlich zu den Vorwürfen geäußert. Dem Mann wird vorgeworfen, am Bamberger Klinikum mehrere Patientinnen ruhiggestellt und sexuell missbraucht zu haben.

BAMBERG. Ein wegen sexuellen Missbrauchs im Krankenhaus angeklagter Ex-Chefarzt hat sich am zweiten Verhandlungstag ausführlich zu den Vorwürfen geäußert. „Ich bin weder Sex-Arzt noch Dr. Pervers“, sagte er am Dienstag vor dem Landgericht Bamberg.

Der 49-Jährige ist angeklagt, weil er junge Frauen im Krankenhaus ruhiggestellt und sich an ihnen vergangen haben soll. Er erklärte, die Handlungen seien stets medizinisch begründete Untersuchungen gewesen.

Es sei ihm allein um die Erforschung neuer Behandlungsmethoden bei Beckenvenen-Thrombose gegangen. Er räumte ein, das Selbstbestimmungsrecht der Frauen missachtet zu haben. Das tue ihm leid, mache ihn aber nicht zum Sexualstraftäter. 

Die Anklagebehörde ist überzeugt, dass der Spezialist für Gefäßchirurgie junge Frauen mit Medikamenten ruhiggestellt hatte, um sich sexuell an ihnen zu vergehen.

Fotos mit Sexspielzeug?

Die arglosen Frauen habe er in den frühen Abendstunden oder an Sonn- und Feiertagen zu zusätzlichen Untersuchungen oder zur Teilnahme an einer angeblichen Studie gebeten, damit er ungestört gewesen sei.

Die Taten soll der Mann von September 2008 bis Juli 2014 in dem Krankenhaus begangen haben. Er habe angegeben, ein Kontrastmittel für die Ultraschalluntersuchung zu spritzen, doch keines der in dem Untersuchungsraum vorhandenen Geräte sei für diese Methode geeignet gewesen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Vielmehr habe der Arzt den Frauen heimlich ein Betäubungsmedikament verabreicht, um sie wehrlos zu machen. Unter anderem habe er dann Sexspielzeug benutzt sowie Fotos und Videos vom Intimbereich der Frauen gemacht.

Die Frauen hätten nichts von den mit dem Betäubungsmittel verbundenen Risiken und Folgen gewusst und seien teilweise unter Medikamenteneinfluss Auto gefahren. Zwölf mutmaßliche Opfer treten als Nebenklägerinnen auf.

Vorfall auch in der Familie

Auch außerhalb der Klinik soll es zu einem sexuellen Missbrauch gekommen sein: Der Mediziner soll bei einem gemeinsamen Ausflug die damals 18 Jahre alte Patentochter seiner Frau betrunken gemacht und sie laut Staatsanwaltschaft in einem Hotelzimmer missbraucht haben. Dazu machte der Angeklagte am Dienstag keine Angaben.

Zwei ursprünglich für diese Woche noch angesetzte Verhandlungstage sagte das Gericht ab, um dem Angeklagten mehr Zeit für das Ausarbeiten seiner weiteren Stellungnahmen einzuräumen.

Am 28. April soll es weitergehen. Das Verfahren dürfte wohl bis zum Frühsommer dauern. (dpa)

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