Ärzte Zeitung, 16.06.2015

Umsonst gewartet

Vater fordert Entschädigung von Kinderärztin

Ein Vater wartet mit seiner Tochter 40 Minuten beim Kinderarzt auf einen Impftermin. Erst dann stellt sich heraus, dass der Impfstoff ausgegangen ist. Jetzt fordert der Mann Schadenersatz. Die KV Sachsen prüft den Fall.

Vater fordert Entschädigung von Kinderärztin

40 Minuten gewartet, dann drangekommen, aber mangels Impfstoff nicht behandelt: Ein Vater in Sachsen fodert Entschädigung von einer Kinderärztin.

© Getty Images/Wavebreak Media

LEIPZIG. In Leipzig sieht sich eine Kinderärztin nach einem Bericht der Tageszeitung "Bild" mit einer Patientenforderung wegen Wartezeit konfrontiert. Wie es in dem Bericht heißt, hat der Autohändler Steffen K. für seine zehnjährige Tochter einen Termin für eine Tetanus-Impfung vereinbart.

Nach 40 Minuten Wartezeit seien sie dann ins Behandlungszimmer gekommen. Dort habe die Kinderärztin festgestellt, dass sie keinen entsprechenden Impfstoff habe.

182,64 Euro für Arbeitsausfall und Kilometer

Daraufhin habe K. der Pädiaterin eine Rechnung über 182,64 Euro geschickt und die Summe mit "Kilometerpauschale plus 2,2 Stunden Arbeitsausfall" begründet.

Wie der Bonner Fachanwalt für Medizinrecht und Verwaltungsrecht Dr. Ingo Pflugmacher im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" erläuterte, geht es in so gelagerten Fällen zunächst grundsätzlich um die Frage, ob ein Schadenersatzanspruch aus vertraglicher oder vorvertraglicher Pflichtverletzung des Arztes bestehe.

Danach sei im Einzelfall zu klären, welche Ansprüche gegenüber dem Arzt geltend gemacht werden könnten. Hier greifen für Freiberufler, die einen Arbeitsausfall zu beklagen hätten, und abhängig Beschäftigte verschiedene Kriterien, so Pflugmacher.

Die KV Sachsen wartet auf die Schweigepflichtentbindung durch K., um eine Stellungnahme der Pädiaterin einholen zu können, sagte Sprecher Ingo Mohn im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Danach folge die Einzelfallprüfung. (maw)

[17.06.2015, 15:51:44]
Dr. Stefan Schaller 
Der Arzt ist Dienstleistungserbringer, mehr nicht !!!
Auch wenn wir es verdrängen sind wir Ärzte in der Meinung des überwiegenden Teils der Bevölkerung reine medizinische Dienstleistungserbringer, die zu funktionieren haben.
5 Minuten augenärztliche Behandlung in New York wegen Konjunktivitis kosten 300 $,
5 Minuten Hals-Nasen-Ohren-ärztliche Behandlung in einer türkischen Klinik mit Gehörgangsreinigung und Streifeneinlage kosten 800 €,
der niedergelassene Facharzt arbeitet irgendwo zwischen zehn und 30 € pro Patient und Quartal und bekommt dann solche Forderungen!
Der geschilderte Behandlungsfall ist ausgesprochen unglücklich verlaufen, keine Frage, aber der Autohändler scheint ein fürstliches Gehalt zu haben, anders ist seine Forderung nicht nachvollziehbar! Vermutlich hat er auch die gängige Vorstellung vom Arzt als Großverdiener, Organhändler und Geschenkeempfänger der Pharmaindustrie...
Oft schon habe ich meinen eigenen Autohändler bewundert, bei dem ich immer sehr froh bin, wenn mein Wagen zwecks Reparatur vernünftig angesehen wird, ich nach längerer Wartezeit tatsächlich meine Probleme auch schildern darf und wenn dann die Reparatur/Therapie tatsächlich auch der Rechnung entsprechend vernünftig durchgeführt wurde.
Wir Ärzte sollten von Autohändlern lernen! zum Beitrag »
[17.06.2015, 14:05:05]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Dr. Diethard Friedrich zum Glück sind ja weitere Praxisschließungen per Gesetz geplant,
dann wird sich die Wartezeit sicher verkürzen. zum Beitrag »
[17.06.2015, 12:20:45]
Dr. Diethard Friedrich 
Ein erheblicher volkswirtschaftlicher Schaden.
Leider können einige, zum Glück nur wenige, aber dennoch zu viele, Kollegen ihre Praxis nicht vernünftig organisieren und lassen trotz Terminvereinbarung Patienten oft stundenlang und mehr regelmäßig warten. Allein dadurch ensteht täglich in Deutschland ein erheblicher volkswirtschaftlicher Schaden, abgesehen von dem negativen Bild der Praxis. Die Klage ist längst überfällig. Jeder Patient hat Verständnis, wenn ein Notfall den Zeitplan verschiebt. Die Sprechstundenhilfe sollte das aber annoncieren. Ich fordere jeden Kollegen auf, diesbezüglich den Praxisablauf zu kontrollieren. Es besteht diesbezüglich dringend Handlungsbedarf. Und denen, die sich niederlassen wollen,kann ich nur raten, den Ablauf gut und ohne viel Mühe zu organisieren. Dann macht auch der Beruf mehr Freude, die Patienten sind zufrieden und der gute Ruf steigt. zum Beitrag »
[17.06.2015, 07:54:00]
Dr. Franz J. Linnenbaum 
mal sehen, wie entschieden wird
Solange für eine Impfung etwa 1/25 des Betrages gezahlt wird, den ein zu Recht erboster Vater ob der Wartezeit zu erstreiten gedenkt, sollte sich unser Nachwuchs sehr genau überlegen, was er hinsichtlich seiner Niederlassung zu tun gedenkt. zum Beitrag »

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