Ärzte Zeitung, 26.11.2015

Urteil gegen Ärzte

Sieg für Abtreibungsgegner

STRASSBURG. Ein deutscher Abtreibungsgegner hat erfolgreich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) geklagt: Demnach darf er Flugblätter verteilen, auf denen Namen und Anschriften zweier Abtreibungsärzte stehen und gleichzeitig auf die Ermordung der Juden durch die Nazis hingewiesen wird.

Ein deutsches Gericht hatte dem 64-Jährigen aus Weinheim (Baden-Württemberg) 2005 die Verteilung der Flugblätter nach Klagen der zwei Mediziner verboten - zu Unrecht, wie der EGMR am Donnerstag in Straßburg urteilte. Er stellte einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit des Aktivisten fest.

Der Mann habe die genannten Ärzte nicht mit den Nazis gleichgesetzt, er habe auch nicht ausdrücklich Abtreibung mit der Ermordung der Juden gleichgesetzt. Daher seien die Persönlichkeitsrechte der Mediziner nicht verletzt worden.

Die deutschen Gerichte hätten "die Meinungsfreiheit des Abtreibungsgegners nicht sorgfältig genug gegen den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Mediziner abgewogen", befand der EGMR.

Auf dem Flugblatt stand: "Die Ermordung der Menschen in Auschwitz war rechtswidrig, aber der moralisch verkommene NS-Staat hat den Mord an den unschuldigen Menschen erlaubt und nicht unter Strafe gestellt". Gegen das Urteil kann Berufung beantragt werden. Die kann aber abgelehnt werden (dpa)

[30.11.2015, 12:05:42]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
@ Claus F. Dieterle und andere "Abtreibungsgegner":
Leider ein Beispiel für christlich verbrämte "Heilpraktiker-Attitüde", reine "Sprüche-Praxis" und m. E. weltfremden Fundamentalismus!

Denn Ihr Beitrag ist im Gegensatz zur authentisch-christlich-gelebten und argumentativ-empirisch-begründeten Position des mir persönlich bekannten Prof. Dr. med. Ingolf Schmid-Tannwald (Vortrag an der Katholischen Universität Eichstätt- Ingolstadt vom 14. 1. 2006), der sich tatsächlich um die betroffenen Frauen nach Schwangerschaftsabbruch in psychosomatischer Hinsicht gekümmert hat, in seiner falsch verstandenen "Bibel-Exegese" nicht schlüssig.

Der historische Jesus stand und steht in der Überlieferung der Bibel i m m e r auf der Seite der Armen, Kranken, Schwachen, Unterdrückten, Beladenden und Flüchtenden. Seiner Herkunft nach war er selbst verarmtes Flüchtlingskind. Aber wie er auf der Seite der Lepra-kranken ("aussätzigen") Frau stand, den Mundraub bei Hungersnot rechtfertigt und zugleich die Philister aus dem Tempel jagen will bzw. "Hilflosen beisteht, ehrt (er) Gott".

Frauen lassen nicht ohne Grund einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen bzw. riskieren in vielen ärmeren Ländern dieser Welt den Tod beim "Engelmacher". Sie stehen in einem existenziellen Lebens-, Ethik- und Zielkonflikt: Sehr häufig vom (Ex-)Partner und der Gesellschaft diskriminiert oder alleine gelassen, vom sozialen Umfeld ignoriert oder unterdrückt. D a s ist es, was ihren frommen Spruch ausmacht: "Wer die Schwachen unterdrückt, beleidigt ihren Schöpfer."

Frauen mit Schwangerschaftsabbruch sind Menschen wie Du und Ich; sie mussten sich im Zweifel für oder gegen ein Weiterleben mit oder ohne Kinder entscheiden. Wir Männer könnten uns manchmal selbst eine Scheibe davon abschneiden, ob wir nun mit oder ohne Kinder leben wollen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler (z. Zt. Garmisch-Partenkirchen)
1982-1992 im Essener AWO-Beratungszentrum für Familienplanung, Schwangerschaftskonflikte und Fragen der Sexualität
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[29.11.2015, 23:29:46]
Claus F. Dieterle 
Die Folgen!
Prof. Dr. med. Ingolf Schmid-Tannwald hat die "Körperlichen und seelischen Folgen nach vorgeburtlicher Kindstötung" dargelegt:
http://www.aerzte-fuer-das-leben.de/Folgen-vorgeburtlicher-Kindstotung.pdf
Und ich möchte Sprichwörter 14,31 in Erinnerung rufen: Wer die Schwachen unterdrückt, beleidigt ihren Schöpfer. Wer Hilflosen beisteht, ehrt Gott. (Bibel in heutigem Deutsch) zum Beitrag »

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