Ärzte Zeitung, 13.07.2016

Hohe Geldstrafe für Arzt

Laborleistungen falsch abgerechnet

Die Regeln der Laborabrechnung haben anscheinend noch nicht alle Ärzte internalisiert. Ein Arzt soll jetzt eine hohe Geldstrafe bezahlen.

Von Martin Wortmann

Laborleistungen falsch abgerechnet

Wer Blutproben im Labor analysieren lässt, darf sie Privatpatienten nicht als Eigenleistung in Rechnung stellen.

© littlebell / fotolia.com

MÜNCHEN. Laborleistungen zunächst bei einem Dienstleister in Auftrag zu geben und dann aber bei privat versicherten Patienten als eigene Leistungen teurer abzurechnen, das ist Betrug. Wegen eines solchen Betrugs in insgesamt 31 Fällen hat das Amtsgericht München am 27. Juni einen Arzt zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt.

Der besagte Arzt ist seit 2007 in München niedergelassen. Mit Laboruntersuchungen beauftragte er ein Labor ebenfalls in München. Bei bestimmten Blutuntersuchungen (M III und M IV) für Privatpatienten hatte er seit 2010 mit dem Labor eine besondere Abmachung getroffen: Das Labor übermittelte die Ergebnisse elektronisch dem Arzt und rechnete nicht mit dem Patienten, sondern mit dem besonders günstigen Faktor 0,6 mit dem Arzt ab.

Seinen in Behandlung befindlichen Patienten hingegen spiegelte der Mediziner vor, er habe die nötigen Laboruntersuchungen selbst vorgenommen und stellte diese Leistung mit dem üblichen Faktor 1,15 in Rechnung.

Das Amtsgericht München wies für den Zeitraum Februar 2012 bis Mai 2013 31 "Fälle" nach, wobei jedes Auftrags-Paket als ein "Fall" gilt, auch wenn es mehrere Blutproben enthielt. 99 Patienten waren insgesamt betroffen. Dadurch sei ein "unberechtigter Gewinn" in Höhe von 6500 Euro entstanden.

Dem Arzt sei zumindest bewusst gewesen, dass sein Verhalten nicht unproblematisch ist, erklärte das Amtsgericht zur Begründung seines Urteils. Statt sich schlau zu machen, habe er die Fehlerhaftigkeit seiner Abrechnungen "billigend in Kauf genommen".

Die Richter des Amtsgerichtes werteten dies als Betrug. Schließlich seien laut der geltenden GOÄ auch die betreffenden Laborleistungen vom abrechnenden Arzt persönlich zu erbringen.

Das Amtsgericht verurteilte den Arzt zu 80 Tagessätzen zu je 250 Euro, insgesamt 20.000 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

QuaMaDi wird fortgesetzt

Aufatmen im Norden: KV und Kassen haben sich auf den Fortbestand des Brustkrebsfrüherkennungsprogramm QuaMaDi geeinigt. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »