Ärzte Zeitung, 26.08.2016

Urteil

Kein kostenloser Bluttest für Vegetarier

MAINZ. Krankenkassen dürfen Versicherten mit überwiegend vegetarischer Ernährung keine kostenlosen zusätzlichen Blutuntersuchungen anbieten. Denn Mangelerscheinungen seien bei Vegetariern nicht allgemein üblich, urteilte das Landessozialgericht (LSG) Rheinland-Pfalz in Mainz. Es lehnte damit eine geplante Satzungsleistung der BKK advita ab (38.000 Versicherte)

Unter dem Motto "nachhaltig gesund" will sie sich im Kassenwettbewerb als Kasse mit ökologischer Ausrichtung profilieren.

Versicherten, die sich überwiegend vegetarisch oder vegan ernähren, will sie zusätzliche Blutuntersuchungen anbieten, um einen möglichen Mangel insbesondere an Vitamin B12 frühzeitig zu entdecken. Vegetarische Ernährung sei "nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch für die Umwelt", so die Kasse zur Begründung. Durch die Blutuntersuchungen könnten aber Mangelerscheinungen und dadurch ausgelöste Folgeerkrankungen verhindert werden.

2013 beschloss die BKK eine entsprechende Satzungsänderung. Danach wollte sie bis zu 75 Euro pro Jahr für Blutuntersuchungen und ärztliche Beratung bezahlen. Doch das Bundesversicherungsamt lehnte dies ab. Dagegen klagte die Kasse.

Vor dem LSG Mainz hatte die Klage keinen Erfolg. Grundsätzlich dürften die Krankenkassen zwar zusätzliche Vorsorgeleistungen anbieten. Voraussetzung sei aber, dass diese "bei allen Betroffenen aus konkret-individuellen Gründen notwendig" seien.

Dies sei hier nicht der Fall. Bei vegetarischer beziehungsweise veganer Ernährung sei "nicht allgemein ein Vitamin B12-Mangel mit hierdurch verursachten Erkrankungen zu befürchten", erklärten die Mainzer Richter zur Begründung. (mwo)

LSG Rheinland-Pfalz

Az.: L 5 KR 66/15 KL

Topics
Schlagworte
Recht (11719)
Krankenkassen (16124)
Organisationen
BKK (2072)
[26.08.2016, 16:36:58]
Thomas Fuchs 
Umständlich
Vitamin B12 kostet doch gar nicht viel. Dann soll die Kasse doch lieber -anstelle Bluttests zu bezahlen- Vit.B12-Lutschbonbons, 100 Stück mit 1000µg für 15 Euro, an Versicherte abgeben, die vorgeben vegetarisch oder vegan zu leben. Eigentlich reichen auch die Veganer.
Da wünsche ich mir zumindest ein wenig mehr PRagmatismus zur Kostensenkung. 38000 Versicherte sind ja auch nicht die Masse. zum Beitrag »
[26.08.2016, 12:10:26]
Wolfgang P. Bayerl 
da irren die Richter!
Aber in medizinischen Fragen dürfen ja heute alle entscheiden,
nur nicht Ärzte. zum Beitrag »
[26.08.2016, 11:21:01]
Dr. Henning Fischer 
...Bei vegetarischer beziehungsweise veganer Ernährung sei "nicht allgemein ein Vitamin B12-Mangel mit hierdurch verursachten Erkrankungen zu befürchten...

da habe ich andere Erfahrungen.

Aber:

gibt es dazu Studien? Oder wie kommen die Richter zu dieser Einschätzung?
 zum Beitrag »
[26.08.2016, 10:30:22]
Thomas Fuchs 
Umständlich
Vitamin B12 kostet doch gar nicht viel. Dann soll die Kasse doch lieber -anstelle Bluttests zu bezahlen- Vit.B12-Lutschbonbons, 100 Stück mit 1000µg für 15 Euro, an Versicherte abgeben, die vorgeben vegetarisch oder vegan zu leben. Eigentlich reichen auch die Veganer.
Da wünsche ich mir zumindest ein wenig mehr PRagmatismus zur Kostensenkung. 38000 Versicherte sind ja auch nicht die Masse. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »