Ärzte Zeitung, 13.08.2015

Nach Testurteil

Versandapotheken wehren sich gegen Ergebnisse

Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken betont die Beratungsqualität der digitalen Angebote.

BERLIN. "Versandapotheken bieten umfassende Beratung durch Apotheker und speziell geschulte pharmazeutische Mitarbeiter, unter anderem per Telefon, aber auch schriftlich, etwa in Form eines Live-Chats oder E-Mail."

Reserviert reagiert Christian Buse, Vorsitzender des Vorstands des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken (BVDVA), im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" auf einen aktuellen Test des Deutschen Instituts für Service-Qualität (DISQ) im Auftrag des TV-Senders n-tv, der Standort- und Versandapotheken unter die Lupe genommen hat.

Serviceorientiert, aber mit Defiziten

Zwar seien die meisten Online-Versandapotheken serviceorientiert. Dennoch gebe es an manchen Stellen Defizite. Wichtige Informationen wie einen Wechselwirkungscheck und den Beipackzettel liefern laut DISQ fast alle Anbieter. Erfreulich sei auch, dass selbst Erstkunden meist bequem per Rechnung oder Bankeinzug bezahlen könnten.

Häufig fehlten auf den Websites aber Standards wie ein Glossar mit Fachbegriffserklärungen oder eine allgemeine Suchfunktion. Die Internetseiten der Online-Versandapotheken allein könnten keine Filialberatung ersetzen, lautete ein Fazit des Tests.

Buse sieht die Leistungen der Versandapotheken in dem betreffenden Test nicht gewürdigt: "Versandapotheker sind Treiber des digitalen Aufbruchs. Sie entwickeln die digitale Beratung weiter".

Deshalb sollten die Versandapotheken auch in die Konzeption des Medikationsplans und des elektronischen Rezepts einbezogen werden, reklamiert er mit Bezug auf Vorhaben im Rahmen des geplanten E-Health-Gesetzes.

4,3 Prozent Steigerung

Wie aus den auf Daten des Marktforschungsinstituts IMS Health basierenden Brancheninformationen des BVDVA hervorgeht, verzeichneten die Versandapotheken imm Jahr 2013 einen Absatz von 120 Millionen Verpackungen, was einer Steigerung gegenüber Vorjahr von 4,3 Prozent entspreche. Die Vor-Ort-Apotheken hätten hingegen 1,771 Milliarden Verpackungen abgegeben (+3,5 Prozent gegenüber 2012).

Bei den Versandapotheken hätten 2013 mit 89,51 Millionen Packungen die freiverkäuflichen Arzneien den Löwenanteil gehabt (74 Prozent). Gerade einmal fünf Prozent stellte der Versand rezeptpflichtiger Arzneien dar (6,587 Millionen).

Beim Umsatz seien die Versandapotheken 2013 auf 1,442 Milliarden Euro gekommen - 4,2 Prozent mehr als 2012. Beim Umsatz haben die OTC-Arzneien demnach zu 60 Prozent beigetragen, rezeptpflichtige Arzneimittel hingegen zu 22 Prozent. In Deutschland gibt es laut BVDVA 3010 Versandapotheken. (maw)

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