Ärzte Zeitung App, 27.11.2013

Patient entlässt sich selbst

Ärztlichen Rat zu ignorieren ist lebensgefährlich

Verlassen Patienten die Klinik entgegen ärztlichem Rat, steht zu vermuten, dass sie gesundheitliche Nachteile zu erwarten haben. Eine kanadische Studie hat nun gezeigt: Die Vermutung trifft zu.

Von Robert Bublak

Ärztlichen Rat zu ignorieren ist lebensgefährlich

Selbst wer sich fit fühlt, sollte nicht den Rat der Ärzte in den Wind schlagen und eigenmächtig die Klinik verlassen.

© Mathias Ernert, Chirurgische Klinik, Universtitätsklinikum Heidelberg

WINNIPEG/KANADA. Ein bis zwei Prozent der erwachsenen Krankenhauspatienten wollen partout nicht auf ihre Ärzte hören und gehen aus eigenem Antrieb nach Hause. Das ist nicht ungefährlich.

Wie ein Team von Internisten um Allan Garland von der University of Manitoba im kanadischen Winnipeg ausgerechnet hat, steigert dieses Verhalten die Gefahr, binnen eines Monats erneut im Krankenhaus zu landen, um das Zweifache (CMAJ 2013, online 26. August).

Binnen 30 Tagen lag die Rate eines erneuten Klinikaufenthalts bei 12,1 Prozent (normale Entlassung) versus 24 Prozent (Abbruch des Klinikaufenthalts gegen ärztlichen Rat).

Sogar das Risiko für Mortalität ist um das 2,5-Fache erhöht

Und das ist noch nicht das Schlimmste. Denn die Chance, während der folgenden drei Monate nicht mehr nur in ein Klinikbett, sondern gleich ins Grab gelegt zu werden, erhöht sich sogar um den Faktor 2,5.

Für ihre Studie analysierten die Forscher die Daten von nahezu zwei Millionen Klinikpatienten in der Provinz Manitoba. Rund 21.000 von ihnen hatten ihre stationäre Behandlung gegen ärztlichen Rat beendet.

Aus dem weiteren Verlauf berechneten Garland und seine Kollegen das Risiko erneuter stationärer Aufnahme in den folgenden 30 Tagen und die Mortalität in den 90 Tagen nach Verlassen der Klinik.

Als Vergleich dienten Patienten mit den gleichen Merkmalen zum Beispiel hinsichtlich Diagnose, Begleiterkrankungen Alter, Geschlecht, Status und Jahr der Klinikaufnahme, die dem Rat der Ärzte Folge geleistet und sich weiter stationär hatten behandeln lassen.

Es stellte sich heraus, dass die Gefahr schon in der ersten Woche der eigenmächtigen Heimkehr fassbar wird und zudem mindestens ein halbes Jahr anhält.

Diese lange Dauer lässt sich nicht allein mit der Schwere der Erkrankung oder deren unvollständiger Therapie erklären; diese beiden Faktoren würden bereits früher greifen.

Patienten sollten den Rat der Ärzte besser nicht ignorieren

Das tun sie zwar auch - die Zahlen der Wiederaufnahmen in die Klinik und der Todesfälle beginnen auf hohem Niveau und fallen dann ab. Anschließend bleiben sie jedoch noch monatelang erhöht.

Die Kanadier spekulieren hier, dass Patienten, die in der Klinik auf die Vorschläge ihrer Ärzte pfeifen, auch im Zivilleben nicht die Folgsamsten sind und sich wenig um medizinische Empfehlungen scheren. Auch dies ist, wie aus Studien bekannt, Gesundheit und langem Überleben abträglich.

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