Ärzte Zeitung online, 08.04.2014

Fachmesse FIBO

Ohne Motivation keine Bewegung

Die Fachmesse FIBO in Köln zieht positive Bilanz. Auch Ärzte waren mit einem Kongress angesprochen - zum Beispiel zum Thema Adipositas-Patienten und deren Motivation zur Bewegung.

Von Patrick Hagen

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Strampeln für Fitness und Gesundheits: FIBO in Köln.

© Oliver Berg / dpa

KÖLN. Mit rund 116.000 Fachbesuchern hat die FIBO, nach eigenem Verständnis internationale Leitmesse für Fitness, Wellness und Gesundheit, nach dem Umzug von Essen nach Köln in diesem Jahr einen Besucherrekord verzeichnet.

Wie der Veranstalter Reed Exhibitions Deutschland mitgeteilt hat, fanden 697 Aussteller aus 38 Ländern in die Kölner Messehallen.

Zum zweiten Mal fand auch der Interdisziplinäre Fachkongress für Bewegungsmedizin unter dem Dach der FIBO statt - mit dem programmatischen Namen FIBOmed.

Dieses Umfeld nutzte Professor Christine Graf von der Sporthochschule Köln, um Ärzten nachdrücklich zu raten, Patienten zu mehr Bewegung anzuhalten. Dass Bewegung positive Auswirkungen auf die Gesundheit habe, sei inzwischen als Tatsache anerkannt.

"Egal, was Sie an Risikofaktoren vorweisen können: Wenn Sie fitter sind, sterben Sie später", sagte sie. Es gebe bereits mehr als 77.000 Studien zum Thema. "Wir brauchen keine einzige Studie mehr, um zu sagen, Bewegung ist gut", so Graf.

Auch wenn die Empfehlung bei 150 Minuten Sport pro Woche liege, sei es wichtig, den Patienten zu sagen, dass auch kleine Schritte etwas bringen. "Mit jeder Minute, die sich jemand mehr bewegt, ist ein Nutzen in Bezug auf reduzierte Sterblichkeit da", sagte sie.

Das therapeutische Ziel müssten aber weiterhin 150 Minuten Sport pro Woche bleiben, betonte Graf. Das entspreche einem Kalorienverbrauch von 1000 Kcal. Schwer adipöse Menschen müssten sogar noch mehr machen. Allerdings dürfe man sie am Anfang auch nicht mit zu hohen Forderungen abschrecken.

Sparsame Heilmittel-Verordnung

Im Beratungsgespräch mit adipösen Patienten sollten Ärzte sich zunächst zurückhalten und nicht direkt mit Vorschlägen aus der Schublade kommen, riet Graf. Stattdessen sollten sie fragen, was der Patient glaube, woher seine Probleme kommen und was er selbst dagegen tun könne.

Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie Dr. Thomas Stock betonte, dass viele gesundheitliche Probleme schon im Kindesalter verhindert werden könnten.

"Ich erlebe immer wieder, dass ein großer Prozentsatz der Kinder keine passenden Schuhe hat - die sind entweder zu klein, zu groß oder durchgetreten", sagt er. "Außerdem schaffen es viele Kinder nicht mehr, mit den Fingerspitzen an die Zehen zu kommen oder sie haben schon einen Bauchansatz."

Stock, der Mannschaftsarzt des Eishockeyvereins Kölner Haie ist, beklagt zudem, dass Behandlung und Rehabilitation im Normalfall nicht so optimal verzahnt sind wie im Sport. Dort gebe es eine enge Kooperation zwischen Arzt, Physiotherapeut und Masseur.

Gerade im Kassenbereich würden Heilmittel sehr sparsam verordnet. Stock arbeitet in der MediaPark Klinik Köln, die lange eine reine Privatklinik war, mittlerweile aber auch Kassenpatienten behandelt.

Er beklagte, dass Belastungsuntersuchungen durch einen Sportarzt nicht in das Gesundheitssystem integriert sind. Das könne negative Konsequenzen haben. "Die richtige Intensität und der geeignete Umfang sind für viele schwer einzuschätzen", so Stock. "Überforderung führt schnell zu Verletzungen."

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