Ärzte Zeitung, 03.07.2015

Patiententypen

Vom Arztkritiker bis zum Co-Therapeuten

Auch der Einsatz neuer Medien sollte sich am jeweiligen Patiententypen ausrichten. Die größten Chancen bieten Ärzten die Co-Therapeuten.

BERLIN. In Sachen Informationsbedürfnis haben es Ärzte mit insgesamt vier Patiententypen in der Praxis zu tun. Darauf hat Dr. Ilona Köster-Steinebach, Gesundheitsreferentin beim Verbraucherzentrale Bundesverband, hingewiesen.

Das gelte auch für den Einsatz von Online-Medien und das Wissen, das die Patienten sich vor dem Arztbesuch aus dem Web holen, erklärte sie beim Kongress "Apple, Google & Co: Wie die zunehmende Digitalisierung Ihren Praxisalltag verändern wird" in Berlin.

Die größte Chance biete den Praxen dabei der Co-Therapeut. Er hat ein sehr hohes Informationsbedürfnis und zugleich viel Vertrauen in die Medizin. Allerdings benötigt er eine gemeinsame Entscheidungsfindung und hat hohe Erwartungen an den Arzt.

"Die Co-Therapeuten kommen mit vielen Infos aus dem Web und erwarten, dass der Arzt diese Infos produktiv umsetzt", so Köster-Steinebach.

Arztkritischer Patient hat wenig Vertrauen in die Medizin

Mehr zum BCC-Kongress

"Apple, Google & Co: Wie die zunehmende Digitalisierung Ihren Praxisalltag verändern wird" - unter diesem Motto stand ein Kongress von Springer Medizin und Berlin Chemie am 26./27. Juni im BCC in Berlin.

Zu den Berichten über den BCC- Kongress

Hier sei es wichtig, die selbsterhobenen Daten anzunehmen. Und elektronische und mobile Gesundheitsangebote gezielt in den Behandlungsverlauf und die Therapie einzubeziehen. Der Co-Therapeut erwartet dabei eine Empfehlung vom Arzt.

Auch der arztkritische Patient kommt mit vielen im Web recherchierten Infos in die Praxis. Er hat allerdings nur wenig Vertrauen in die Medizin. Hier geht es laut Köster-Steinebach darum, dass der Arzt die Infos bewertet und Risiken und Chancen benennt.

Dazu muss er die Angebote natürlich kennen. Doch auch der Arztkritische bietet die Chance, ihn zu lenken, indem man neue Technologien ganz bewusst in die Therapie einbezieht.

Arztgläubige Patienten haben hingegen ein relativ geringes Informationsbedürfnis, sie vertrauen dem, was der Arzt sagt. Das heißt auch, dass sie bei der Therapie für Web- und App-Angebote die von den Kassen und vom Arzt kommen, sehr offen sind. Das kann die Compliance stärken.

Selbst beim gleichgültigen Patienten kann der Versuch lohnen, ihn mit den eher spielerischen Mitteln der Web-Angebote zu mehr Therapietreue zu bewegen. (reh)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »