Ärzte Zeitung, 08.02.2016

Studie

Krebspatienten wünschen mehr Mitsprache

Jeder dritte Krebspatient fühlt sich über mögliche Behandlungsmethoden nicht umfassend genug informiert. Und auch in Sachen Shared Decision Making sehen die Patienten Nachholbedarf.

NEU-ISENBURG. Therapie und Heilungschancen für Krebspatienten werden zwar immer besser, doch auf der Kommunikationsebene zwischen Arzt und Patient sehen die Betroffenen, aber auch das medizinische Personal noch Verbesserungsbedarf.

Das legt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers (PwC) unter mehr als 1400 Patienten, Angehörigen, Pflegern und Klinikärzten in den USA, Großbritannien und Australien nahe.

So bemängeln drei von zehn Patienten, dass sie hinsichtlich ihrer Diagnose nicht so umfangreich und verständlich informiert wurden, wie erwartet.

Flexible Hilfe ist gefragt

81 Prozent der Patienten finden es sehr wichtig, dass ihnen alle möglichen Therapieoptionen verständlich erläutert werden. Tatsächlich findet dies bei jedem Dritten aber nicht statt.

77 Prozent wollen zudem in die Auswahl der Therapie und behandelnden Klinikärzte eng eingebunden werden. Und sieben von zehn Patienten möchten nicht das Gefühl haben, dass Entscheidungen über ihren Kopf hinweg gefällt werden.

Den Betroffenen gehe es heutzutage viel stärker als früher darum, nicht die Hoheit über die Therapie zu verlieren, kommentiert Michael Burkhart, Partner und Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma bei PwC in Deutschland das Ergebnis. "Sie verlangen eine flexible und auf ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Hilfe."

Das sehen die Klinikärzte auch durchaus: Immerhin 74 Prozent der befragten Mediziner sind der Meinung, dass auch die Lebensqualität der Patienten - und ihre Erwartungen an diese - Teil der Therapie sein sollte.

Nur knapp ein Fünftel der Mediziner fühlt sich nur für Diagnose und Therapie zuständig. So wundert es nicht, dass 71 Prozent der Patienten den Wunsch äußern, dass ihre persönlichen Bedürfnisse besser in die Therapie einbezogen werden sollten.

Zu unkoordiniert?

Nachholbedarf deckt die Studie zudem bei der Koordination der Behandlung und der Frage der Vernetzung auf: Nahezu die Hälfte der Patienten und 34 Prozent der Pflegekräfte und Mediziner gaben an, dass die Behandlung nicht gut koordiniert war.

Ein Drittel der Patienten und 49 Prozent der betreuenden Pflegekräfte und Ärzte sagten außerdem, dass selbst im aktiven Behandlungsteam eine gute Abstimmung fehlte. Die Klinikärzte plädierten für den Einsatz spezialisierter Krankenschwestern.

Gesundheitsmarkt-Experte Burkhart sieht hier jedoch auch die zunehmende Digitalisierung des Gesundheitswesens als Chance - gerade hinsichtlich der knappen Budgets in den Gesundheitssystemen.

Neue digitale Technologien könnten effizientere Behandlungsmethoden ermöglichen. Und sie schaffen schneller Kommunikationswege. (reh)

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