Ärzte Zeitung, 12.09.2016

Auswertung zeigt

Patienten mit guter Zahlungsmoral

Das Eintreiben von Außenständen bei Privatpatienten ist für Ärzte nur selten ein Problem: Nach einer Auswertung des Abrechnungsdienstleisters PVS Holding wurde 2015 nur für 0,5 Prozent aller Rechnungen ein gerichtliches Mahnverfahren nötig.

Von Christoph Winnat

MÜLHEIM AN DER RUHR. Ärzte müssen sich offenbar wenig Sorgen um das Inkassorisiko im Privatgeschäft machen. Wie die PVS Holding berichtet, hat sich die ohnehin gute Zahlungsmoral der Patienten in den zurückliegenden Jahren noch weiter verbessert. In den Regionen, in denen die PVS schwerpunktmäßig tätig ist, habe sich 2015 die Abmahn-Quote auf einen neuen Tiefststand seit 2005 deutlich verringert. So seien im Rheinland 14,5 Prozent aller Rechnungen abgemahnt worden, 2005 waren es noch 17 Prozent. Im Raum Berlin-Brandenburg sei die Mahnquote im Zehnjahreszeitraum von 20 Prozent auf aktuell unter 14 Prozent gesunken, in Bayern von 14 auf elf Prozent.

Im Verlauf des mehrstufigen Mahnverfahrens würden die Menge der offenen Rechnungen weiter abnehmen. Am Ende würden derzeit lediglich noch zwei Prozent aller Fälle in die dritte Mahnung gehen. "Danach bleibt ein geringer Anteil von rund 0,5 Prozent für den gerichtlichen Mahnbescheid mit anschließender Vollstreckung", heißt es. Individuell heruntergebrochen kämen damit auf eine Arztpraxis jährlich vier Mahnbescheide, was einem Rechnungsbetrag von insgesamt etwa 1000 Euro entspreche. "Auch davon werden noch zwei Drittel erfolgreich vollstreckt".

Die PVS ist nach eigenen Angaben mit pro anno rund sechs Millionen Rechnungen einer der bundesweit großen Abrechnungsdienstleister für niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser. Die guten Zahlen sind auch eine starke Eigenwerbung für das Unternehmen. Denn für ein "höfliches und termingerechtes Mahnverfahren", wie es die PVS nach eigenen Worten als "Schlüssel zum Erfolg bei säumigen Zahlern" ansieht, fehle vielen Praxisinhabern, die selbst abrechnen, oder deren Mitarbeitern, die mit der Abrechnung beauftragt werden, das nötige Know-how, vielleicht auch einfach nur die Geduld.

"Wichtig ist, dass die Rechnungsschuldner nicht als lästige Gegner betrachtet werden, sondern als Not leidende Kunden, denen Hilfe angeboten wird, um die Bezahlung der Rechnung zu erreichen", rät die PVS. Beispielsweise, indem Zahlungsziele verlängert werden oder Ratenzahlung angeboten wird. Ein weiterer Erfolgsfaktor in Sachen reibungslosen Zahlungseingangs sei die "Erstellung einer zeitnahen und übersichtlichen Rechnung". Die meisten Patienten, weiß die PVS, kennten sich mit der GOÄ nicht aus, "wollen aber verstehen, was denn hier abgerechnet wird". Insofern verstehe man sich nicht nur als Dienstleister für Ärzte, sondern auch für die Patienten.

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