Ärzte Zeitung online, 14.07.2017

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50-Stunden-Woche ist die Regel

Niedergelassene Ärzte arbeiten im Schnitt 50 Stunden pro Woche. Ein Drittel ihrer Zeit geht für Dokumentation, Praxismanagement, Fallkonferenzen und Fortbildung drauf – so das Ergebnis des Zi-Praxis-Panels.

Von Rebekka Höhl

50-Stunden-Woche ist die Regel

Zwei Drittel ihrer Arbeitszeit verbringen Praxisinhaber tatsächlich mit der direkten Patientenversorgung.

© Jose Manuel Gelpi /stock.adobe.com

BERLIN. In eigener Praxis niedergelassene Ärzte bleiben auch künftig das Fundament der Versorgung. Denn während Praxisinhaber im Schnitt 50 Stunden pro Woche arbeiten, bevorzugen angestellte Ärzte in der ambulanten Versorgung vor allem Teilzeitmodelle. Mit ihren im Schnitt rund 24 Wochenstunden arbeiten sie nur halb so lange wie die Praxisinhaber. Das belegen die nun veröffentlichten Daten des Zi-Praxis-Panels (ZiPP) 2015.

An der Befragung zum Arbeitsumfang nahmen laut Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) über 4360 Praxen teil. Die Daten zur Arbeitszeit beziehen sich auf das Jahr 2014. Damit bestätigt sich auch der Trend aus den im Frühjahr vorab veröffentlichten ZiPP-Daten (wir berichteten). Rund ein Fünftel der Praxisinhaber erbrachten sogar 50 bis 65 Stunden pro Woche. Bei den Hausärzten lag die wöchentliche Arbeitszeit 2014 bei 51 Stunden, Spitzenreiter waren jedoch die Kardiologen und Nuklearmediziner mit einer 57-Stunden-Woche.

Wenig überraschend ist, dass Ärzte in Gemeinschaftspraxen mehr Zeit für die direkte Patientenversorgung aufbringen: Ihnen stehen hierfür 75 Prozent ihrer Arbeitszeit zur Verfügung. In Praxen mit angestellten Ärzten liegt der Anteil der unmittelbar patientenbezogenen Arbeitszeit sogar bei über 77 Prozent. Einzelkämpfern hingegen stehen hierfür nur zwei Drittel ihrer Arbeitszeit zur Verfügung, das restliche Drittel verbringen sie mit Aufgaben wie dem Praxismanagement, dem Schreiben von Arztbriefen, Dokumentation, Fallkonferenzen oder etwa ihrer Fortbildung.

Dass GKV-Patienten weniger Arztzeit bekommen als privat versicherte Patienten, bestätigt die Erhebung nicht: Der Anteil der GKV-Patienten lag in den ZiPP-Praxen im vierten Quartal 2014 im Schnitt bei 87,7 Prozent. Und auch von ihrer Arbeitszeit nur am Patienten – also der rein ärztlichen Tätigkeit – wandten die Vertragsärzte über vier Fünftel für die Behandlung gesetzlich versicherter Patienten auf. 13 Prozent ihrer Arbeitszeit widmeten sie privat versicherten Patienten, die übrige Zeit entfiel auf Tätigkeiten im Krankenhaus oder die Behandlung von Patienten im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung. Dabei machte der Anteil der Privatpatienten in den Praxen im vierten Quartal 2014 im Schnitt 10,2 Prozent aus.

"Die Ergebnisse zeigen, dass die niedergelassenen Ärzte gesetzlich und privat versicherten Patienten etwa jeweils gleich viel Arbeitszeit widmeten", sagt Zi-Geschäftsführer Dr. Dominik von Stillfried. "Das ist bemerkenswert, da die gesetzlichen Krankenkassen die Arbeitszeit der Ärzte schlechter vergüten als die private Krankenversicherung. Auch im Vergleich zum Tariflohn eines vergleichbar qualifizierten Oberarztes im Krankenhaus besteht nach den Daten des ZiPP immer noch ein bedauerlicher Abstand in der Vergütung je geleisteter Arbeitsstunde."

Das Zi-Praxis-Panel

- Seit 2010 erhebt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) im Rahmen des Zi-Praxis-Panels (ZiPP) jährlich bei Vertragsärzten und -psychotherapeuten Daten zur wirtschaftlichen Situation (Kosten, Einnahmen, Jahresüberschuss).

- In der aktuellen Erhebung werden Daten aus den Jahren 2011 bis 2014 betrachtet.

- 156.200 Euro betrug der durchschnittliche Jahresüberschuss je Praxisinhaber 2014. Hausärzte erzielten im Schnitt 158.200 Euro.

Weitere Ergebnisse des ZiPP-Jahresberichts 2014 finden Sie unter: www.aerztezeitung.de/928812

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