Sonntag, 26. Mai 2013
Ärzte Zeitung, 16.11.2011

Telemedizin hilft Transplantierten

Ein Telemedizinprojekt für Patienten nach Leber- und Nierentransplantationen soll die Therapietreue stärken. Bei Erfolg wird es in die Regelversorgung überführt.

Von Philipp Grätzel von Grätz

BERLIN. Die Unikliniken Freiburg und Straßburg haben ein neues Telemedizinprojekt gestartet. Es soll die Lebensqualität von Patienten nach Nieren- und Lebertransplantation steigern und die Gefahr der Transplantatabstoßung verringern.

In Freiburg konzentriert sich das Projekt auf Patienten, die eine AB0-inkompatible Lebendspende einer Niere bekommen haben. In Straßburg nehmen Patienten nach Lebertransplantation teil.

Bei Patienten mit blutgruppeninkompatibler Lebendspende seien eine hohe Therapietreue und eine engmaschige Überwachung eminent wichtig, betonte Silvia Hils vom Transplantationszentrum des Freiburger Uniklinikums.

Täglicher Fragebogen

Umgekehrt wollten die oft jungen Patienten natürlich trotzdem so frei wie möglich leben. Die Telemedizin soll bei diesem Spagat helfen.

Das Modell sieht vor, dass in Freiburg zunächst 25 Patienten mit Transplantatniere täglich einen elektronischen Kurz-Fragebogen an das Transplantationszentrum versenden.

Dabei werden einige Parametern abgefragt, die ein Transplantatversagen anzeigen und Rückschlüsse über die medizinische Gesamtsituation erlauben.

Videokonferenzen mit dem Patienten

"Die Eingabe erfolgt entweder per Touchscreen oder über ein digitales Pen & Paper-System, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden", so Hils bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin (DG Telemed).

Bei Problemen können Videokonferenzen zwischen Patienten und Betreuern geschaltet werden. Erster Ansprechpartner ist eine eigens für dieses Projekt angestellte examinierte Krankenschwester mit Transplantationserfahrung.

Die Interventionsgruppe wird verglichen mit einer Kontrollgruppe von ebenfalls 25 Patienten. Weitere 50 Patienten steuern die Straßburger bei. Die Zuteilung zu den Gruppen erfolgt randomisiert.

Im Idealfall Kosten sparen

Endpunkte sind unter anderen Rate und Dauer ungeplanter Folgeaufenthalte in Kliniken, die Dauer bis zum Auftreten einer Abstoßungsreaktion, die Zahl der Fahrten des Patienten ins Transplantationszentrum, die Lebensqualität und die Medikamentencompliance.

"Natürlich interessieren uns auch die ökonomischen Effekte", so Hils. Im Idealfall könnte sich durch die verbesserte Nachsorge sogar Geld einsparen lassen.

Ziel sei es, das in der Projektphase 300.000 Euro teure, EU-geförderte Projekt bei erfolgreichem Abschluss in die Regelversorgung zu überführen. Erste Ergebnisse sollen in etwa einem Jahr vorliegen.

| Share

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Hausnotruf-Prämie: Malteser sorgen für Wirbel an der Weser

Der Malteser Hilfsdienst in Bremen meinte es wohl nur gut: Er versprach Hausärzten eine Werbeprämie für die Vermittlung neuer Kunden. Doch jetzt hat sich daran in der Bremer Ärzteschaft ein Streit entfacht. Kammer und KV bezeichnen das Vorgehen "illegal". mehr »

Vogelgrippe in China: Experten über H7N9 beunruhigt

Weniger Infektionen aber keine Entwarnung bei H7N9: In China infizieren sich deutlich weniger Menschen mit dem Vogelgrippevirus als noch vor einigen Wochen. Doch Experten mahnen zur Vorsicht - denn das Virus trägt "beunruhigende Merkmale". mehr »

Pilotprojekt: Patienten sollen Diabetes davonlaufen

In einem bundesweit einmaligen Projekt wollen Hausärzte in Köln übergewichtigen Bewegungsmuffeln Beine machen: 10.000 Schritte lautet das Ziel, das die Patienten pro Tag zurücklegen sollen. Die Ärzte gehen dabei mit gutem Beispiel voran. mehr »