Ärzte Zeitung, 09.05.2008

Biotech macht einen weiten Sprung nach vorn

Der Umsatz stößt 2007 an die Fünf-Milliarden-Grenze, die Forschungspipeline ist mit aussichtsreichen Projekten gut gefüllt

BERLIN (HL). Die Biotechnik-Branche hat ihre Schwäche-Phase in der ersten Hälfte des Jahrzehnts offenbar überwunden und machte im Jahr 2007 einen weiten Sprung nach vorn: Der Branchenumsatz in Deutschland stieg um 24 Prozent auf fast fünf Milliarden Euro, die Zahl der Beschäftigten wuchs um 14 Prozent auf fast 34 000.

Die Jahre 2001 bis 2005 waren für die Branche außerordentlich schwierig. Zum einen lag dies an enttäuschten Erwartungen, daraus resultierenden Kurseinbrüchen bei börsennotierten Unternehmen und Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung. Das wiederum hat seine Ursache in den Besonderheiten der Branche: Sie wird dominiert von Forschern und Erfindern, die zugleich auch Geschäftsleute sind oder sein wollen. Die Erfindung ist dabei nicht das Problem, wohl aber, zu zeigen, dass eine Erfindung es wert ist, zur Marktreife entwickelt zu werden. Diese Entscheidung steht spätestens dann an, wenn ein neues Medikament in die breite klinische Prüfung (Phase 3) kommt - denn dann wird es so teuer, dass ein Biotech-Unternehmen in eine Allianz mit einem großen Pharma-Unternehmen gehen muss.

Hier scheint in den letzten ein bis zwei Jahren ein Durchbruch gelungen zu sein, wie eine Analyse der Boston Consulting Group über die medizinische Biotechnologie zeigt. Nicht nur das Gesamtvolumen der Forschungspipelines ist zwischen 2005 und 2007 von 256 auf 354 neue gentechnisch hergestellte Medikamente gewachsen. Besonders sprunghaft ist die Zahl der Projekte gestiegen, die sich in Phase 3 der klinischen Prüfung befinden: von 49 auf 92 - ein Plus von fast 88 Prozent. Diese Innovationen könnten in wenigen Jahren marktreif und zugelassen sein und dann den Ärzten zur Verfügung stehen. Schwerpunktindikationen sind die Onkologie, Immunologie und Infektiologie.

Hoffnung schöpfen können erstmals auch Alzheimer-Patienten und deren Angehörige. Heute ist es nur möglich, den Krankheitsverlauf zu verzögern. In der Entwicklung (Phase 2) sind nun ein therapeutischer Impfstoff gegen Alzheimer und der monoklonale Antikörper Bapineuzumab, der als periodische Infusion verabreicht werden kann. Damit wird eine Immunreaktion gegen Beta-Amyloid stimuliert - der bei Alzheimer typische Verlust von Nervenzellen und Gedächtnis wird reduziert. Dr. Frank Mathias, Vorsitzender von VFA Bio, geht davon aus, dass Bapineuzumab noch in diesem Jahr in Phase 3 der klinischen Prüfung kommt und bis 2011 zugelassen sein könnte.

Außer dem unmittelbaren Nutzen für die Patienten und deren Angehörige könnten solche Innovationen die Gesellschaft bei steigender Inzidenz und Prävalenz von Alzheimer in den nächsten Jahrzehnten erheblich entlasten. Alzheimer verursacht derzeit nur geringe medikamentöse Behandlungskosten von wenigen hundert Euro jährlich. Je nach Alzheimer-Schweregrad (MMSE-Score) liegen die Gesamtkosten einschließlich der Belastung von pflegenden Angehörigen aber jährlich zwischen gut 4000 und 95 000 Euro.

Gentechnik verspricht für Patienten mit Alzheimer einen Durchbruch.

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