Ärzte Zeitung, 10.07.2008

In der Biopharmazie ist Deutschland führend

Hoffnungen auf kausale Therapien / Forschung stockt teilweise aufgrund von Kapitalmangel / Biopharmazeutisches Kooperationsforum in Bayern

BENEDIKTBEUERN (wst). Für etwa zwei Drittel der Krankheiten gibt es noch keine kausale Therapie. Große Hoffnungen, diese Lücke zu füllen, werden in die Biopharmazie gesetzt. Deutschland - auf diesem Sektor derzeit führend - eröffnen sich damit gute internationale Marktchancen.

Gemessen an der Fermentationskapazität nimmt Deutschland in Europa in der biopharmazeutischen Produktion den ersten Platz ein. Das hat Dr. Frank Mathias beim biopharmazeutischen Kooperationsforum der Bayern Innovativ GmbH im Kloster Benediktbeuern gesagt. Weltweit steht Deutschland hinter den USA immerhin auf Platz zwei.

Der Markt biopharmazeutischer Produkte wie monoklonaler Antikörper, biotechnisch hergestellter Impfstoffe und anderer rekombinanter Proteine wachse schnell, berichtete Dr. Frank Mathias von MediGene in Martinsried. Daten von Marktbeobachtungsunternehmen zufolge hat die Zahl der neu in die klinische Prüfung gegangenen Biopharmazeutika in Deutschland zwischen 2005 und 2006, also innerhalb nur eines Jahres, um 23 Prozent zugenommen.

Auch Beschäftigten- und Umsatzzahlen sind weiter angestiegen. Mit 29 909 erfassten Mitarbeitern und einem Umsatz von 4,01 Milliarden Euro konnte die Branche 2006 im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs von 13 beziehungsweise vier Prozent verzeichnen.

Entwicklung hat mit rekombinant hergestellten Insulinen begonnen.

Den drohenden Flaschenhals für die Ausweitung und Weiterentwicklung der Biopharmazeutika sah Mathias weniger in den technischen Möglichkeiten als vielmehr in der begrenzten Bereitschaft der Gesellschaft, für immer mehr therapeutische Möglichkeiten notwendigerweise auch immer mehr bezahlen zu müssen.

Wie Professor Klaus Strein von Roche Pharma in Penzberg sagte, hat der Siegeszug der Biopharmazeutika mit rekombinant hergestellten Insulinen, Erythropoietinen, Wachstumsfaktoren und Interferonen, deren therapeutische Anwendung heute bereits alltäglich ist, begonnen. Inzwischen hat sich schon eine Reihe von humanisierten und humanen monoklonalen Antikörpern, die etwa bei der Anwendung in der Onkologie lebensverlängernd sind, gut auf dem Markt etabliert.

Schon in wenigen Jahren werde es noch deutlich effektivere Antikörper gegen Krebs- und Autoimmunerkrankungen geben, ist Strein überzeugt. Und selbst für heute pharmakologisch noch weitgehend optionslose Erkrankungen wie Morbus Alzheimer oder verschiedene Formen des Muskelschwundes besteht die berechtigte Hoffnung auf Therapien in den nächsten ein bis drei Dekaden, prognostizierte Strein.

Zur Finanzierbarkeit der biopharmazeutischen Forschung stellte Strein klar, dass das, was es bereits bis zur klinischen Phase-1-Prüfung geschafft hat, relativ leicht Investoren findet, um seinen weiteren Weg gehen zu können. Dagegen würden viele gute und hoffnungsvolle Ideen am zunehmenden Mangel öffentlicher Fördergelder oder am fehlenden Ausgleich durch privates Risikokapital scheitern.

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