Ärzte Zeitung online, 13.08.2008

Finanzdienstleister MLP wehrt sich gegen Avancen von AWD

KÖLN (hf). Der Wieslocher Finanzvertrieb MLP, zu dessen Kunden viele Ärzte zählen, wehrt sich gegen einen Übernahmeversuch des Rivalen AWD aus Hannover. AWD gehört mehrheitlich dem Schweizer Lebensversicherer Swiss Life, früher Schweizerische Rentenanstalt. MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg sagte in einer Telefonkonferenz, das Unternehmen wolle unabhängig bleiben. Das sehe auch Gründer und Großaktionär Manfred Lautenschläger so, dessen Familie heute 32,4 Prozent an MLP hält. "Unsere Unabhängigkeit ist ein entscheidendes Qualitätskriterium", sagte Schroeder-Wildberg.

Aus Finanzkreisen war vorher bekannt geworden, dass AWD auch ein feindliches Angebot für MLP erwägt. Gespräche zwischen den Unternehmen waren ergebnislos geblieben. Schroeder-Wildberg sagte, weder Vorstand noch Aufsichtsrat seien wegen eines aktuellen Angebots angesprochen worden. Die Frage, ob es im Juni und Juli Gespräche zwischen ihm und AWD-Chef Carsten Maschmeyer gegeben habe, wollte er nicht beantworten. Eine Übernahme gegen den Willen des Vorstands sei "äußerst fragwürdig".

AWD und MLP verkaufen über freiberufliche Vertreter vor allem Lebens- und Rentenversicherungen sowie Kapitalanlageprodukte. Wie der gesamte Markt leiden die Vertriebe unter der Zurückhaltung von Kunden sowie gesetzlichen Neuregelungen, die Umsatzentwicklung ist schwach.

Als Folge der Nachrichten stieg die MLP-Aktie gestern um bis zu 11 Prozent an und wurde mit 14,21 Euro notiert. Im Oktober 2000 wurde das Papier noch mit 169 Euro gehandelt.

Zusammen könnten beide ihre Marktmacht gegenüber Versicherern und Fondsgesellschaften noch deutlicher ins Spiel bringen und höhere Provisionen erzielen. Heute erhalten sie an Provisionen, Kostenzuschüssen anderen Zahlungen rund 6 bis 7 Prozent der gesamten Einzahlungssumme bei Lebens- und Rentenverträgen sowie 10 bis 12 Monatsbeiträge bei privaten Krankenversicherungen.

MLP meldete gestern für das erste Halbjahr einen Umsatz von 287 Millionen Euro, eine Steigerung um 5 Prozent. Sie ist allerdings hauptsächlich auf die fast automatisch erfolgende und letztmalige Anpassung der Riester-Renten zurückzuführen. Ohne diese Riester-Stufe wäre der Umsatz zurückgegangen. Das gilt besonders für die private Krankenversicherung. Hier erzielte MLP nur noch Provisionseinnahmen von 22,9 Millionen Euro, verglichen mit 34,7 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2007. Der Gesamtgewinn nach Steuern ging um 35 Prozent auf 14 Millionen Euro zurück.

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