Ärzte Zeitung online, 14.08.2008

Finanzdienstleister MLP wehrt sich gegen Kooperation mit Konkurrent AWD

HANNOVER/WIESLOCH (dpa). Gegen den Widerstand des Finanzdienstleisters MLP will der Gründer des Konkurrenzunternehmens AWD, Carsten Maschmeyer, aus den zwei Gesellschaften den größten Finanzdienstleister der Welt schaffen.

Im März hat der Schweizer Versicherer Swiss Life bereits AWD übernommen. Nun ist das Unternehmen aus Zürich auch bei MLP eingestiegen. Dazu sagte AWD-Chef Maschmeyer am Donnerstag in Hannover: "Jetzt haben wir die Chance, langfristig unter dem Dach der Swiss Life den größten Finanzvertrieb der Welt mit zwei unabhängigen Marken zu bauen."

Der Schweizer Lebensversicherer hat sich Maschmeyers MLP-Aktienpaket von 26,74 Prozent gesichert. MLP betonte dagegen in Wiesloch, der Einstieg von AWD sei "ohne Absprache oder gar Zustimmung durch die Gremien der MLP" erfolgt.

Die Schweizer unterstrichen, es handle sich nicht um einen feindlichen Übernahmeversuch und warnten MLP vor einer Blockade. "MLP kann letztlich einem Aktionär, der jetzt 27 Prozent der Aktien hält, den Dialog nicht verweigern", sagte Swiss-Life-Chef Rolf Dörig in Zürich. Ein Übernahmeangebot für den Finanzdienstleister sei "derzeit aber kein Thema", eine Zusammenführung von MLP mit AWD nicht geplant.

MLP-Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger sah dagegen "keinen Anlass zu einem Dialog mit der Swiss Life über eine Intensivierung der Zusammenarbeit". Eine Kooperation über das bisherige Maß hinaus würde "die Unabhängigkeit und das Geschäftsmodell von MLP nachhaltig gefährden", warnte er.

Der Schweizer Lebensversicherer hatte 86 Prozent des unabhängigen Finanzdienstleisters AWD für knapp eine Milliarde Euro gekauft, um seine Stellung in der unabhängigen Finanzberatung mit Schwerpunkt Altersvorsorge in Deutschland weiter auszubauen. Die Familie Maschmeyer will auch ihren Restanteil von 10,46 Prozent an AWD bis Ende 2008 an die Schweizer Mutter veräußern. Deren Anteil steigt damit auf 96,7 Prozent. Die übrigen AWD-Aktionäre will Swiss Life abfinden und AWD dann von der Börse nehmen.

Im Gegenzug will Maschmeyer nach AWD-Angaben bei Swiss Life einsteigen. Bis Mitte 2009 will er demnach an der Börse für insgesamt 300 Millionen Schweizer Franken (185 Mio Euro) Swiss-Life-Aktien kaufen. Damit werde er rund drei Prozent an dem Unternehmen halten und größter privater Anteilseigner des Versicherers werden.

Die MLP-Aktien hatte Maschmeyer eigenen Angaben zufolge unter anderem von der Berenberg Bank gekauft, die ihren Anteil zuletzt mit gut zehn Prozent angegeben habe. Daneben seien ihm von privaten Investoren MLP-Aktien angeboten worden. Gespräche über eine Kooperation mit MLP habe er bereits vor einigen Monaten auch mit Lautenschläger geführt. "Es gab da auch keine Ablehnung", sagte Maschmeyer. Dagegen betonte Lautenschläger, Vorstand und Aufsichtsrat seien zu dem Ergebnis gekommen, "dass Kooperationen mit AWD keinen Mehrwert für MLP und seine Aktionäre liefern. Diese Einschätzung besteht unverändert weiter."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »