Ärzte Zeitung, 14.11.2008

Die NanoRepro AG hat keine Angst vor glattem Parkett

Ein junges Marburger Biotech-Unternehmen wagt den Sprung an die Börse / Großes Potenzial für Schnelltests der Zeugungsfähigkeit?

MARBURG (coo). Mitten in der Finanzkrise wagt eine kleine Marburger Biotech-Firma den Sprung an den deutschen Aktienmarkt. Während die Deutsche Bahn ihren geplanten Börsengang verschob, entschied das Zwölf-Mann-Unternehmen: "Wir machen das jetzt einfach", erzählt Vorstandsmitglied Nicolas Combé.

Seit dem 10. Oktober ist das Biotech-Unternehmen NanoRepro AG im Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet. Gut eine Million Aktien à 11,50 Euro wurden ausgegeben. Jetzt steht die Aktie bei knapp neun Euro.

Schlaflose Nächte bereitet das den Vorstandsmitgliedern Nicolas Combé (28) und Olaf Stiller (31) allerdings nicht. "Unser Risiko ist nicht so hoch, weil mit unserem Börsengang keine Kapitalerhöhung verbunden ist", erklärt Combé: "Wir sind nicht darauf angewiesen, dass irgendjemand diese Aktien zeichnet." NanoRepro hat sich nämlich auf ein so genanntes Listing beschränkt. Das ist kein klassischer Börsengang mit Anwerbung von Aktienkäufern, wie ihn die Bahn geplant hatte. Im Freiverkehr sind die Regulierungsanforderungen und Kosten nämlich geringer als auf den übrigen regulierten Märkten.

NanoRepro nutzt den Schritt aufs glatte Parkett, um die Firma und ihre Produkte bekannter zu machen. Die Marburger Firma ist in jeder Beziehung jung: Das Durchschnittsalter der Belegschaft liegt bei 28 Jahren. Vorstandsvorsitzender Olaf Stiller ist mit 31 Jahren der Älteste. Nur im Aufsichtsrat sitzen mit dem bekannten Genomforscher Professor Martin Hrabé de Angelis und der ehemaligen FDP-Bundestagsabgeordneten Gisela Babel auch Ältere. Gegründet wurde das Unternehmen im Januar 2006 von zwei Betriebswirten, einem Mediziner und einem Biologen aus der Universität heraus.

Die Geschäftsidee: Ein von dem Mediziner Gunther Wennemuth entwickelter Schnelltest, mit dem Männer zu Hause ihre Zeugungsfähigkeit überprüfen können. Dabei wird die Spermaprobe in einer Plastikdose mit leicht ablesbaren Teststreifen auf die Menge von Spermien untersucht. Das Potenzial der Erfindung wird auf weltweit mehr als eine Million Tests pro Jahr geschätzt. Der Fertilitätstest, der gemeinsam mit der Universität Gießen weiter entwickelt wird, soll im nächsten Jahr in Apotheken und Online-Shops verkauft werden. Schon jetzt sind Schwangerschafts- und Eisprungtests von NanoRepro zu haben.

Zweites Standbein der Firma ist die Einlagerung von Stammzellen als "biologische Lebensversicherung des 21. Jahrhunderts". Dazu werden körpereigene Hautstücke über Jahrzehnte beim Fraunhofer Institut eingefroren. Sie sollen später einmal als Rohstoff dienen, wenn Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer, Schlaganfall, Rheuma und Arthrose mit Stammzellen behandelt werden können. Die eingefrorenen Stammzellen haben den Vorteil, dass sie jahrzehntelang keinen schädlichen Einflüssen wie Umweltgiften ausgesetzt sind.

Billig ist das aber nicht. Wer seine Stammzellen zehn Jahre einfrieren lassen will, muss dafür etwa 5000 Euro hinlegen. Trotzdem ist Betriebswirt Combé überzeugt: "In zehn bis 15 Jahren wird das Standard sein." Schwarze Zahlen schreibt NanoRepro bislang noch nicht - das soll sich bis Ende 2009 ändern. Dafür wurde das Unternehmen bereits prämiert: 2007 holte es den ersten Platz beim Start-up Wettbewerb des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen und Thüringen.

Im kommenden Jahr hofft Combé auf einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro. Er ist sich sicher: "Wenn der Markt nach oben geht, sind wir gut aufgestellt."

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