Ärzte Zeitung online, 20.11.2008

Pharmaunternehmen weisen Behauptungen des "Stern" zurück

WIEN (eb). Die Behauptungen des Hamburger Magazins "Stern", Apotheker aus Deutschland hätten von Pharmaunternehmen über die österreichische Genossenschaft Global Apo Rückvergütungen für Mehrumsätze mit verschreibungspflichtigen Präparaten erhalten, sind bisher von zwei der genannten Firmen zurückgewiesen worden.

Der "Stern" hatte in seiner Donnerstagsausgabe behauptet, führende deutsche Apotheker hätten eine Tarnfirma in Österreich gegründet, um Gelder von Pharmaunternehmen kassieren zu können. Dazu haben die Apotheker angeblich Ende 2006 in Wien die Genossenschaft Global Apo gegründet. Offiziell erbringe die Genossenschaft Dienstleistungen für Pharmaunternehmen. In Wirklichkeit erhalte sie aber Rückvergütungen, die sich an der Höhe des Mehrumsatzes von verschreibungspflichtigen Präparaten der Pharmafirmen bemessen.

Dieses Verfahren gehe aus den Verträgen der Apotheker mit den Unternehmen Betapharm, Merck Pharma, Mylan dura und Axicorp hervor, die dem "Stern" angeblich vorliegen. Global Apo habe von Betapharm zum Beispiel eine Rückvergütung in Höhe von bis zu 27,5 Prozent je nach Umsatzsteigerung der bestellten Arzneimittel erhalten. Mylan dura gewährte eine Rückzahlung in Höhe von bis zu 30 Prozent der zuvor bestellten Rezept-Arzneimittel. Mitglied von Global Apo könnten nur Apotheker mit mehr als 1,5 Mio. Euro Jahresumsatz werden.

Der "Stern" weist darauf hin, dass es für Apotheker seit dem Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) im Jahr 2006 verboten ist, Naturalrabatte von Pharmaunternehmen zu erhalten. Seit dem GKV-Wettbewerbstärkungsgesetz aus dem Jahr 2007 ist es den Apothekern zudem verboten, Rabatte zu kassieren.

Nach Angaben der "Financial Times Deutschland" (FTD) hat sich die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) von derartigen Geschäftspraktiken distanziert. Man werde nach Kenntnis des Berichts nun juristisch prüfen, ob die Konstruktion zulässig sei. Wenn das nicht der Fall sei, werde die ABDA dagegen mit dem Bundesgesundheitsministerium vorgehen.

Der Pharmakonzern Merck Pharma erklärte auf Anfrage des Pharma Marketing Service (PMS), es handele sich bei dem erwähnten Vertrag "um eine Servicevereinbarung zwischen der deutschen Landesgesellschaft Merck Pharma GmbH und der Global Apo, die keinen Verstoß gegen Rabattvorschriften darstellt". Der Vertrag sei aber nicht zur Durchführung gelangt. "Es erfolgten von Seiten der Merck Pharma GmbH keine Geld- oder sonstigen Leistungen an die Global Apo. Die Merck Pharma GmbH betrachtet die Geschäftsverbindung daher als beendet".

Auch Axicorp spricht von einem Vertrag, der zwar unterzeichnet worden, aber nie zur Ausführung gelangt sei. Und weiter heißt es von Axicorp: "Nach Unterzeichnung des Vertrages wurde neben der von Global Apo vorgelegten juristischen Stellungnahme im Herbst 2006 durch unser Haus eine weitere juristische Einschätzung eingeholt, die im Ergebnis dazu führte, dass die geplante Kooperation auf der Basis des Vertrages nicht ausgeführt wurde und die Geschäftsbeziehung nicht zustande kam". Im Rahmen einer außergerichtlichen Auseinandersetzung und zur Vermeidung eines Rechtsstreits hätten sich Global Apo und AxiCorp im März 2008 verglichen.

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