Ärzte Zeitung online, 02.12.2008

USA schon im Dezember 2007 in Rezession gerutscht

WASHINGTON (dpa). Die USA sind nach Angaben des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung (NBER) bereits im Dezember 2007 in die Rezession gerutscht. "Der wirtschaftliche Abschwung 2008 erfüllt die Kriterien einer Rezession", teilte das NBER am Montag mit. Zuvor sei die größte Volkswirtschaft der Welt 73 Monate lang gewachsen.

Das Wirtschaftswachstum in den USA bleibt nach den Worten von US- Notenbankchef Ben Bernanke wahrscheinlich auf absehbare Zeit schwach. Es gebe allerdings "vorsichtige Anzeichen" für eine Stabilisierung der Finanzmärkte, meinte Bernanke vor der texanischen Handelskammer in Austin (Texas). Weitere Zinssenkungen seien noch vorstellbar, betonte er, allerdings sei das wegen des jetzt schon sehr niedrigen Zinssatzes nur ein begrenzt einsetzbares Instrument der Notenbank.

Die Fed hatte zuletzt die Leitzinsen wegen der Finanzkrise und der drohenden Rezession auf 1,0 Prozent gesenkt. Die Notenbank verfüge allerdings mit der Bereitstellung von frischem Geld auch über ein weiteres wirkungsvolles Instrument zur Ankurbelung der Konjunktur, betonte Bernanke.

Das private Institut NBER, für das renommierte Ökonomen arbeiten, bestimmt den Anfang und das Ende von Konjunkturzyklen in den USA und benutzt eine breite Definition von Rezession. Nach einer engeren Festlegung spricht man erst dann von einer Rezession, wenn die Wirtschaft zwei aufeinanderfolgende Quartale schrumpft. Dazu ist es in der jüngsten Vergangenheit in den USA noch nicht gekommen.

Aber: Noch keine "breite Rezession"

US-Finanzminister Henry Paulson spielte den NBER-Bericht herunter und betonte, dass die Definition einer Rezession keinen Einfluss auf die gegenwärtige Wirtschaftspolitik der Regierung habe, die alles tue, um die Krise zu meistern. Klar sei, dass sich das amerikanische Wirtschaftswachstum deutlich verlangsamt habe, meinte Paulson in Washington. Die Ökonomen sollten darüber streiten, wie sie es wann nennen.

Wichtigster Faktor für die Entscheidung des NBER, eine Rezession zu erklären, sei der Verlust von bislang 1,2 Millionen Arbeitsplätzen, hieß es. Der vorangegangene Aufschwung zwischen November 2001 und Dezember 2007 war deutlich kürzer als die vorangegangene Boomphase, die rund zehn Jahre anhielt. Auch ist die vom NBER definierte, derzeitige Talfahrt mit zwölf Monaten schon länger als der Abschwung davor, der nach Angaben des Instituts lediglich von März bis November 2001 dauerte.

Die US-Wirtschaft schrumpfte im dritten Quartal als Folge der Finanz- und Kreditkrise um 0,5 Prozent. In den drei Monaten zuvor war sie dank eines Konjunkturprogramms und boomender Exporte noch um 2,8 Prozent gewachsen. Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs erwarten, dass die US-Wirtschaft im vierten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um fünf Prozent schrumpft. Volkswirte rechnen zudem mit einem Anstieg der US-Arbeitslosenquote auf bis zu neun Prozent 2009.

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