Ärzte Zeitung online, 02.12.2008

Merckle ringt um Lösung für Zukunft seines Firmenimperiums

ULM (dpa). Der in Liquiditätsnot geratene Milliardär Adolf Merckle ringt mit den Banken um eine Lösung für die Zukunft seines Firmenimperiums, zu dem der Pharmakonzern ratiopharm und HeidelbergCement gehören.

In den vergangenen Wochen sei mit 30 Banken verhandelt worden, bisher sei es aber zu keinem erfolgreichen Abschluss gekommen, teilte Merckles Sohn Ludwig in der Nacht zum Dienstag in Ulm mit. "Wir sind weiterhin bereit, gemeinsam mit den Banken in diesen schwierigen Zeiten eine Lösung für diese Finanzsituation zu erarbeiten", sagte Ludwig Merckle. Eine Merckle-Sprecherin erklärte: "Es ist jetzt an den Banken, die Gespräche mit uns weiterzuführen." Ein Stillhalteabkommen zwischen Merckle und den Banken läuft am Dienstag um Mitternacht ab.

Die Familie Merckle habe in den Verhandlungen "erhebliche Sicherheiten" und Einlagen aus ihrem privaten Vermögen angeboten, teilte Merckle mit. Hintergrund der Krise seien Kapitalerhöhungen vor allem bei HeidelbergCement, die teilweise mit Krediten finanziert wurden, teilte Merckle mit. "Als Sicherheiten für diese Kredite wurden Aktien hinterlegt." Durch die Finanzkrise sei deren Wert abgestürzt. "Dadurch wurden im Wertpapiergeschäft erhebliche Verluste gemacht, wodurch der jetzige Liquiditätsengpass bei der VEM entstanden ist. Danach kamen noch die Verluste bei VW hinzu."

Merckle hatte mit Spekulationen auf fallende Kurse der Volkswagen-Aktie nach offiziellen Angaben einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag verloren (wir berichteten). Die Gläubigerbanken drehten daraufhin den Geldhahn zu. In Bankenkreisen wird der Finanzierungsbedarf von Merckle auf 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro geschätzt.

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