Ärzte Zeitung online, 05.12.2008

Datenpanne bei Filmaufnahmen in Versandapotheke

BERLIN (eb). Zu einer Datenpanne ist es bei Filmaufnahmen in einem Warenlager der Versandapotheke DocMorris gekommen. Das Video, das später im Internet zu sehen war, enthielt genaue Angaben über eine Kundin. Der Film wurde inzwischen überarbeitet.

Nach Angaben des Berliner Nachrichtendienstes "Apotheke adhoc" gewährte DocMorris einem Filmteam der "Financial Times Deutschland (FTD)" Einblicke in die Geschäftsabläufe. Zu sehen waren in dem Video neben dem Warenlager, versandfertigen Paketen und Mitarbeitern das Einscannen der Rezepte und die Eingabe von Patientendaten, die deutlich lesbar waren. Eine Kundin, deren Name, Anschrift, Geburtsdatum und Krankenkassennummer sichtbar war, will jetzt gegen die Versandapotheke vorgehen.

Datenschützer sehen den Fall nach Angaben von "Apotheke adhoc" ebenso kritisch wie die betroffene Verbraucherin: Einer Sprecherin des Landesdatenschutzbeauftragten in Nordrhein-Westfalen zufolge liegt die Verantwortung zunächst beim Unternehmen: "Es ist schon ein klarer Verstoß der Versandapotheke gegen den Datenschutz, einem Filmteam überhaupt den Blick auf Rezepte zu eröffnen. Das ist nicht zulässig."

Besonders kritisch sei, dass es sich um sensible Daten handle. "Das Unternehmen ist in der Pflicht, dass Kundendaten ausreichend gesichert sind”, so die Sprecherin. "In der Konstellation ist ganz klar, dass das Unternehmen die ihm anvertrauten Daten nicht ausreichend gesichert hat."

Das Filmteam wiederum müsse vor der Veröffentlichung personenbezogener Daten die Einwilligung der Betroffenen einholen. "Stellen Sie sich vor, ihr Nachbar kann im Fernsehen sehen, dass Sie ein Potenzmittel nehmen", so die Sprecherin.

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