Ärzte Zeitung online, 08.12.2008

ratiopharm geht bei Rabatt-Verträgen der AOK zunächst leer aus

ULM (dpa). Der zur Merckle-Gruppe gehörende Generika-Hersteller ratiopharm ist beim Bieten um die Rabattverträge mit Deutschlands größter Krankenkasse AOK bislang leer ausgegangen (wie berichtet). Allerdings liege ein Teil der Unterlagen noch nicht vor, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Ulm. Die AOK hatte in den vergangenen Woche vorläufige Zuschläge für 63 der insgesamt 64 ausgeschriebenen Wirkstoffe erteilt.

Diese erzielten im Jahr 2007 ein Umsatzvolumen von 2,3 Milliarden Euro. Die Rabattverträge starten am 1. März für die Jahre 2009 und 2010. Die AOK hatte nicht mitgeteilt, an wen die Zuschläge gingen.

Die Ausschreibung werde lediglich Einfluss auf rund zwei Prozent des Gesamtumsatzes der ratiopharm-Gruppe haben, fügte der Sprecher hinzu. ratiopharm erwirtschafte fast 60 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Auf das Ergebnis wirke sich die Entscheidung ebenfalls kaum aus.

Der Generika-Hersteller verfüge zudem über einige zu Beginn des Jahres abgeschlossene Verträge über 11 der 22 von der AOK bundesweit ausgeschriebenen Wirkstoffe. Diese Verträge seien noch bis Ende 2009 gültig. Auch die Rabattverträge über das gesamte ratiopharm-Sortiment mit zwölf Landes-AOK blieben weiterhin in Kraft, sagte der Sprecher.

"Wir gehen außerdem davon aus, dass wir in anderen Bereichen einige Verträge abschließen können", sagte der Sprecher. Durch den Abschluss von zusätzlichen Rabattverträgen mit weiteren gesetzlichen sowie privaten Krankenkassen im kommenden Jahr bestünden gute Möglichkeiten, die Marktanteile in allen Bereichen zu steigern, teilte das Unternehmen mit. Dazu gehörten auch Kooperationsverträge mit Ärzten. ratiopharm hat nach eigenen Angaben in Deutschland einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent.

Merckle war aufgrund massiver Verluste im Wertpapiergeschäft und bei Spekulationen mit VW-Aktien in Finanznot geraten. Nach Schätzungen aus Bankenkreisen besteht ein Finanzierungsbedarf von 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro. Ein neues Stillhalteabkommen mit den rund 30 Gläubigerbanken, das voraussichtlich bis Weihnachten laufen soll, könnte noch in dieser Woche unterzeichnet werden, hieß es am Freitag aus mit der Situation vertrauten Kreisen. Ein erstes Stillhalteabkommen war in der Nacht zum Mittwoch verstrichen.

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