Ärzte Zeitung, 11.12.2008

Privatversicherer suchen Branchenlösungen für Versorgungsnetze

Gothaer-Chef sieht Defizite in der Kommunikation mit Kunden  /  Prämien für Neuabschlüsse werden 2009 um fünf bis sieben Prozent teurer

KÖLN (iss/hf). Die privaten Krankenversicherer (PKV) müssen beim Thema Qualität der Versorgung künftig stärker in die Offensive gehen als bisher. Davon geht Michael Kurtenbach aus, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Krankenversicherung in Köln.

Im Bereich der Pflege profiliere sich die Branche bereits mit einem eigenen Angebot der Pflegeberatung. "Wir werden bald auch beim Thema Gesundheit mit einer Alternative kommen müssen", sagt Kurtenbach. Die PKV müsse den Versicherten verstärkt spezifische Versorgungsangebote machen. Die einzelnen Anbieter seien dafür aber in der Regel zu klein. "Wir brauchen eine Branchenlösung für Versorgungsnetze", sagt der Gothaer-Vorstand.

Er wiederholte den Anspruch der PKV, über Öffnungsklauseln, also abweichende Vereinbarungen zu den Gebührenordnungen für Ärzte und Zahnärzte, mehr Einfluss auf Preis, Menge und Qualität der Leistungen zu erhalten. Die Unternehmen müssten alle Anstrengungen unternehmen, um die Leistungsausgaben in Schach zu halten und die Beiträge möglichst wenig ansteigen zu lassen.

Die Gothaer Kranken habe in den vergangenen Jahren die Prämien stabil gehalten, betont Kurtenbach. 2007 habe es im Durchschnitt über alle Tarife eine Beitragsanpassung von 0,7 Prozent gegeben, 2008 waren es 1,9 Prozent und 2009 steigen die Beiträge im Schnitt um 2,9 Prozent. "Hier liegen wir seit nunmehr fünf Jahren deutlich unter den Erhöhungssätzen, die der Markt vornimmt", sagt er.

Bei Neuversicherten muss die Gothaer wie alle PKV-Unternehmen ab 1. Januar die künftig mögliche Mitgabe eines Teil der Alterungsrückstellungen in die Prämien einkalkulieren. Das wird sich bei ihr mit einem Plus von fünf bis sieben Prozent niederschlagen. Nach seinen Angaben verzeichnete das Unternehmen mit einem Plus von 20 Prozent bis Ende November in diesem Jahr das stärkste Neugeschäft seit langem. Viele der neuen Verträge beginnen erst am 1. Januar 2009. Wegen der hohen Zahl der Abgänge, vor allem durch den Tod von Versicherten, wird die Zahl der Vollversicherten zum Jahresende leicht unter den 159 000 des Jahres 2007 liegen.

Die Beitragseinnahmen der Gothaer Kranken sinken 2008 um 1,3 Prozent auf 783 Millionen Euro. Wie online berichtet legt die Kölner Versicherungsgruppe insgesamt um 1,7 Prozent auf vier Milliarden Euro zu.

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