Ärzte Zeitung online, 29.12.2008

Drohende Insolvenz ist für die Privatuni Witten/Herdecke kein Thema mehr

KÖLN (iss). Der Lehrbetrieb an der privaten Universität Witten/Herdecke (UWH) kann zunächst weiterlaufen. Die drohende Insolvenz der Hochschule, die insbesondere für ihr praxisorientiertes Medizinstudium bekannt ist, konnte abgewendet werden. Die Zahlungsfähigkeit ist durch Sponsoren über den Jahreswechsel hinaus gesichert.

In einem Krisengespräch hatten sich Vertreter der UWH, des nordrhein-westfälischen Innovationsministeriums, der Studierenden, des Betriebsrats und potenzieller strategischer Partner zusammengesetzt, um ein Konzept zu erarbeiten, das Basis für eine erneute Beteiligung des Landes an der Finanzierung der UWH sein könnte. Die möglichen strategischen Partner aus der Wirtschaft sind der Heidelberger Bildungs- und Gesundheitskonzern SRH und die Software AG aus Darmstadt.

Hinzu kommt der Gemeinnützige Verein zur Entwicklung von Gemeinschaftskrankenhäusern Herdecke. Wie und in welcher Höhe sie die Universität finanziell unterstützen werden, war zunächst nicht zu erfahren.

Das Land Nordrhein-Westfalen hatte der Universität, die seit langem unter großen finanziellen Problemen leidet, vor Kurzem den Landeszuschuss von 4,5 Millionen Euro für das Jahr 2008 gestrichen und gleichzeitig 3,0 Millionen Euro für 2007 zurückgefordert (wir berichteten).

Für den Fall dass sich die Beteiligten auf ein tragfähiges Konzept für die weitere Entwicklung der Hochschule einigen, stellte NRW-Innovationsminister Professor Andreas Pinkwart eine erneute Landesförderung in Höhe von 4,5 Millionen Euro für die Jahre 2009 und 2010 in Aussicht. Eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft soll jetzt bis Anfang 2009 "die notwendige Transparenz über die finanzielle Situation der Hochschule herstellen", teilten das Ministerium und die UWH in einer gemeinsamen Erklärung mit. Geplant ist offenbar auch, dass die Studierenden über ihre Studienbeiträge finanziell deutlich stärker als bisher in die Pflicht genommen werden.

Um den Weg für eine Neuausrichtung der Universität frei zu machen, waren sowohl der Präsident der UWH Professor Birger Priddat als auch sein Stellvertreter Maxim Nohroudi von ihren Ämtern zurückgetreten.

Der Universität und den Studierenden müsse jetzt eine langfristige Perspektive gegeben werden, forderten die Oppositionsparteien im Düsseldorfer Landtag SPD und Grüne. "Dazu zählt insbesondere die medizinische Ausbildung mit ihrer ganzheitlichen Ausrichtung und der Einbeziehung der Alternativmedizin", sagte die wissenschaftspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen Dr. Ruth Seidl. "Auch das Institut für Pflegewissenschaft hat neue Standards für eine Pflege gesetzt, bei denen der pflegebedürftige Mensch im Mittelpunkt steht."

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