Ärzte Zeitung online, 06.01.2009

ratiopharm-Chef Adolf Merckle ist tot - vom Zug überrollt

STUTTGART/BLAUBEUREN (dpa).- Der schwäbische Milliardär Adolf Merckle (ratiopharm, HeidelbergCement) ist nach Angaben der Familie tot. In einer Erklärung der Familie heißt es: "Adolf Merckle ist tot. Adolf Merckle hat für seine Familie und seine Firmen gelebt und gearbeitet. Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen, und er hat sein Leben beendet."

ratiopham-Chef Adolf Merckle ist tot - vom Zug überrollt

ratiopham-Chef Adolf Merckle ist tot.

Foto: dpa

Nach Angaben der dpa aus Stuttgart ist der 74-Jährige bereits am Montagabend in der Nähe seines Wohnorts Blaubeuren bei Ulm von einem Zug erfasst und getötet worden. Enkel Tobias Merckle bestätigte am Dienstag in Stuttgart, dass sein Großvater gestorben sei.

Nach Angaben der Ermittler hat Merckle einen Abschiedsbrief hinterlassen. Merckles Unternehmen - darunter der Pharmakonzern ratiopharm und der Zementhersteller HeidelbergCement - waren durch die Finanzkrise und nach Verlusten bei Spekulationen mit VW-Aktien ins Wanken geraten.

Erst am Wochenende hatte es so ausgesehen, als würde sich eine Lösung zwischen Merckle und seinen Banken abzeichnen. Der Industrielle und seine angeschlagene Holding VEM könnten mit frischen Mitteln von den Gläubigerbanken rechnen, berichtete die Financial Times Deutschland (FTD) unter Bezug auf Finanzkreise. Die Institute waren nach FTD-Angaben bereit, mehr als 400 Millionen Euro als Überbrückungskredit bis März bereitzustellen.(wir berichteten).

Merckles Beteiligungsgesellschaft VEM hatte zum Jahreswechsel bestätigt, mit den Gläubigerbanken eine Kreditstundung bis ins neue Jahr vereinbart zu haben. Sie sei von allen Beteiligten unterzeichnet worden, sagte eine Sprecherin.

Merckle besitzt unter anderem den Medikamentenhersteller Ratiopharm, den Arzneigroßhändler Phoenix sowie etwa vier Fünftel an dem Zementhersteller HeidelCement. Die beiden Pharmagesellschaften sind im Kern gesund. HeidelCement leidet unter hohen Schulden nach der teuren und kreditfinanzierten Übernahme des britischen Wettbewerbers Hanson. Seit dem Erwerb dieses Unternehmens ist die Baukonjunktur eingebrochen. Merckles Finanzprobleme hatten sich wegen groß angelegter Fehlspekulationen mit Aktien des Autobauers Volkswagen verschärft.

Die Aktie von Heidelcement brach am Dienstag nach ersten Meldungen über einen Tod Merckles ein. Das Papier verlor zeitweise mehr als zwölf Prozent.

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