Ärzte Zeitung online, 16.01.2009

Schutz für Wintersportler - Boom für Helm-Hersteller

BRETNIG-HAUSWALDE (dpa). Der tragische Skiunfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) hat dem Schutzhelmhersteller CASCO ein unerwartetes Auftragsplus eingebracht. Die Firma im Oberlausitzer Ort Bretnig-Hauswalde - fast auf halber Strecke zwischen Dresden und Bautzen - musste vor knapp drei Wochen einen Werksverkauf eröffnen. "Anders wären wir des Andrangs nicht mehr Herr geworden", sagt Geschäftsführer Manfred Krauter.

Üblicherweise werden die Helme für den Rad-, Reit- und Wintersport für Freizeit- und Profi-Sportler nur über den Fachhandel vertrieben.

"Auf den Verkauf direkt an den Endkunden waren wir eigentlich nicht eingerichtet", sagt Krauter. Nun stehen auf dem kleinen Firmenparkplatz Fahrzeuge mit Kennzeichen aus ganz Sachsen, aber auch aus Brandenburg, Berlin und Thüringen. Eigentlich sollte jetzt die Produktion der Frühjahrs- und Sommerware beginnen: Helme für Radfahrer oder den Reitsport.

"Doch die Anlagen mussten wieder umgestellt werden", sagt Krauter. Materialien für die Wintersporthelme wurden neu geordert. Etwa 5000 bis 10 000 Helme wurden nach den Angaben seit Jahresanfang zusätzlich verkauft. Die Jahresproduktion liegt bei etwa 500 000 Helmen. Angaben zum Umsatz werden nicht gemacht. Auch beim Konkurrenten uvex (Fürth), nach eigenen Angaben Marktführer unter den deutschen Herstellern von Skihelmen, hat sich die Nachfrage enorm erhöht.

Kunden, die im Wintersport bislang ohne Kopfschutz auskamen, haben nach den bekannt gewordenen schweren Unfällen ein größeres Sicherheitsbedürfnis. Bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der "Bild am Sonntag" hatten sich kürzlich 82 Prozent der Befragten für einen Helmzwang für Skifahrer ausgesprochen, 17 Prozent dagegen. In Westdeutschland waren 80 Prozent dafür, im Osten 89 Prozent. Althaus war am Neujahrstag auf einer Piste in der Steiermark mit einer 41-Jährigen zusammengestoßen. Die Frau kam dabei ums Leben. Sie trug keinen Helm.

Das Ende der 80er Jahre in Baden-Württemberg gestartete Familienunternehmen zog Mitte der 90er Jahre aus Kapazitätsgründen nach Sachsen. 2005 wurde jedoch die Entscheidung getroffen, aus Kostengründen die Produktion nach Rumänien zu verlagern. Die nun rund 1200 Kilometer Entfernung zwischen Fertigung und dem Stammsitz in Sachsen, wo weiter Produktentwicklung, Logistik und Marketing konzentriert sind, hat sich nach Ansicht von Krauter bislang nicht als Nachteil erwiesen.

"Unser Beweggrund nach Rumänien zu gehen war: ein gutes Produkt, in guter Qualität zu einem weltmarktfähigen Preis anzubieten", sagt Krauter. Daran habe sich bis heute nichts geändert. Kernmarkt für die Casco-Helme sei Europa. Die Produkte werden aber weltweit angeboten. Casco beschäftigt mittlerweile rund 200 Mitarbeiter in Rumänien und 15 in Sachsen. Rund 100 Modelle für Kinder ab zwei Jahre bis zum Erwachsenen mit Kopfgröße 65 werden angeboten. Verarbeitet werden spezielle Kunststoffe, aber auch Edelhölzer.

Die Helme für Wintersport, Radfahren oder Reiten präsentieren sich vor allem in modischen Farben: von Pink, über zartes Grün bis zu knalligem Metallicblau und Feuerrot oder sattem Schwarz. Gerade im Freizeitwintersport seien die Helme wichtiger Teil eines modischen Outfits. Sie müssen zu den Anzügen und Stiefeln passen, so wollten es die Kunden. "Dazu kommt ein weiteres nicht zu unterschätzendes Kriterium: Beim Blick in den Spiegel will man sich hübsch finden." Für die neue Wintersaison sind die zentralen Farben schwarz und weiß. Ein Modell im höheren Preissegment kommt in den nächsten Tagen auf den Markt: Helme besetzt mit Swarovski-Kristallen. "Das Interesse der Händler war bereits überwältigend", freut sich Krauter.

www.casco-helme.de

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