Ärzte Zeitung online, 06.02.2009

100 Millionen Euro für Uni Mainz von Boehringer Stiftung

MAINZ (dpa). Mit einer außergewöhnlich hohen Spende von 100 Millionen Euro will die Stiftung des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim Spitzenforschung an der Universität Mainz unterstützen. Das Geld soll in den kommenden zehn Jahren in den Aufbau eines internationalen Exzellenzzentrums für Lebenswissenschaften fließen, teilten Stiftung, Universität und Landesregierung am Freitag in Mainz mit.

Damit erhalte Rheinland-Pfalz eine der größten Privatspenden, die bislang in eine staatliche Hochschule geflossen seien. Das Land wird nach Aussage von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) zusätzlich 30 Millionen Euro für den Ausbau von Gebäuden beisteuern.

Stiftungsvorsitzender Otto Boehringer sagte, die Inhaber-Familien des Pharmakonzerns verstünden ihr Engagement "als aktiv gelebte Bürgerschaft, als Dienst an der Gesellschaft". Angesichts des weltweiten Wettbewerbs um die besten Köpfe in der Wissenschaft wolle man gern das Land, die Region und die Universität unterstützen.

Landes-Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD) sprach von einem "Meilenstein" in der Geschichte der Universität Mainz. Sie gehöre bereits heute mit elf Sonderforschungsbereichen, davon fünf im Bereich der Lebenswissenschaften, zu den forschungsstärksten Hochschulen in Deutschland. Man werde für das neue Zentrum die besten Wissenschaftler gewinnen.

Die Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz zählt mit rund 35 000 Studierenden aus mehr als 130 Nationen zu den größten deutschen Universitäten. Rund 2800 Forscher, darunter 560 Professoren, arbeiten in mehr als 150 Instituten und Kliniken. Zu den Forschungsschwerpunkten zählen Materialforschung, Kern- und Teilchenphysik, Kernchemie in den Naturwissenschaften, Immunologie und Onkologie in der Medizin. Die Boehringer Ingelheim Stiftung wurde 1977 von Hubertus Liebrecht, einem ehemaligen Gesellschafter des Unternehmens, gegründet. Sie fördert bundesweit Forschungsprojekte in den Bereichen Medizin, Chemie, Pharmazie und Biologie.

Spenden in dieser Größenordnung an staatliche Hochschulen und Forschungsinstitute sind in Deutschland anders als in den USA äußerst selten. Spektakuläre Fälle sind die Spenden der zwei SAP-Gründer Hasso Plattner und Hans-Werner Hector von jeweils 200 Millionen Euro für den Aufbau des Potsdamer Instituts für Softwaresystemtechnik und die Einrichtung eines Berufungsfonds an der Universität Karlsruhe. Das verstorbene Bankiersehepaar Gertrud und Alfons Kassel vermachte der Universität Frankfurt am Main ein Vermögen von 33 Millionen Euro. Die Schweizer Jacobs Foundation sicherte mit einer Zuwendung in Höhe von 200 Millionen Euro die Zukunft der finanziell angeschlagenen - allerdings privaten - International University Bremen.

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