Ärzte Zeitung online, 17.02.2009

Behörden rätseln über radioaktiven Stahl aus Indien

BONN/BERLIN (dpa). Angesichts der in Deutschland aufgetauchten radioaktiv verstrahlten Metalllieferungen aus Indien suchen Umweltbehörden und die betroffene Branche weiter nach Lösungen. Ein Treffen im Bundesumweltministerium in Bonn brachte am Montag keine greifbaren Ergebnisse, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

Es geht um die Frage, wie das "strahlende" Metall in Form von Maschinenteilen bis hin zu Stahlspänen zügig und systematisch aus dem Verkehr gezogen werden kann. Ein Sprecher des Umweltressorts forderte verstärkte internationale Überprüfungen. "Das ist ein global ernstzunehmendes Problem", sagte er.

Zuvor war bekannt geworden, dass kontaminiertes Material aus indischen Stahlwerken bisher in zwölf Bundesländern gefunden wurde - nicht dagegen in Bremen, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Obwohl Teile der bisher festgestellten 150 Tonnen bestimmte Grenzwerte erheblich überschreiten, hatte das Bundesumweltministerium auf Basis von Länderangaben in der vergangenen Woche für Bürger und Betriebe Entwarnung gegeben.

Dass radioaktiv verseuchtes Metall aus Indien auch in Mecklenburg-Vorpommern verarbeitet wird, wurde jetzt von dem für Arbeitsschutz zuständigen Sozialministerium in Schwerin bestätigt. Eine Maschinenbaufirma aus Neu-Brandenburg habe den Stahl eingesetzt. Ein Schrotthändler, der Metallspäne aus dem Betrieb bezog, habe bei einer Routinemessung die Belastung mit dem radioaktiven Isotop Kobalt 60 festgestellt und die Behörden eingeschaltet.

Die Firma habe die betroffenen Maschinen inzwischen zurückgerufen, um die kontaminierten Teile auszuwechseln. Gefahren für Menschen hätten wegen der vergleichsweise geringen Strahlung zu keiner Zeit und an keinem Ort bestanden, hieß es. Neben den Abfallspänen seien auch zwei Drittel des nach Neubrandenburg gelieferten Rohmaterials sichergestellt worden. Wie nun damit verfahren werde, müsse noch geklärt werden.

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