Ärzte Zeitung online, 02.03.2009

OTC-Produkte: Die meisten Apotheken halten sich an die Preisempfehlung

DÜSSELDORF (ava). Fünf Jahre nach Aufhebung der Preisbindung in Apotheken findet Preiswettbewerb beim Verkauf rezeptfreier (OTC-) Medikamente nach wie vor nur vereinzelt statt. Das ist das Ergebnis von Schmerzmittel-Testkäufen (Aspirin und Voltaren®) der Verbraucherzentrale NRW in 500 Präsenz- und 30 Online-Apotheken.

Erstmals seit der Aufhebung der Preisbindung für nicht verschreibungspflichtige Medikament prüfte die Verbraucherzentrale NRW anhand von fünf gängigen Medikamenten im Juni 2006, inwiefern dieses Kalkül in der Praxis aufgegangen ist, - mit ernüchterndem Ergebnis: Bei mehr als 90 Prozent in damals bundesweit 343 Apotheken war Wettbewerb bei frei verkäuflichen Medikamenten ein Fremdwort.

Nachfrage in 500 Präsenz- und 30 Online-Apotheken

Dieser Sachstand hat sich zweieinhalb Jahre später mit Blick auf eine zweite Stichprobe kaum verändert. Anhand der beiden Schmerzmittel Aspirin und Voltaren® hat die Verbraucherzentrale NRW im November 2008 erneut untersucht, ob die Freigabe der rezeptfreien Medikamente zu unterschiedlichen Preisen führt. In 500 Präsenzapotheken in 25 NRW-Städten (10,5 Prozent aller Apotheken landesweit) und in 30 Online-Apotheken wurden jeweils Packungen mit 20 Aspirin-Tabletten und 120 Gramm Voltaren-Schmerzgel geordert.

Kaum Preisunterschiede bei Aspirin

Enttäuschendes Ergebnis bei Aspirin: In 404 bzw. 80,8 Prozent der Apotheken entspricht der Preis von 4,97 Euro immer noch der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP). 29 Apotheken rundeten die UVP nur um wenige Cent ab, manche sogar auf. Auch beim Präparat Voltaren® orientieren sich die Apotheker mit dem Preis von 12,95 Euro an der Hersteller-Empfehlung. Dass es auch anders geht, zeigen einige Apotheken, die die Packung Aspirin bis zu 2,90 Euro (42 Prozent Ersparnis) und Voltaren bis zu 6,90 Euro (47 Prozent Ersparnis) unter der unverbindlichen Preisempfehlung anbieten.

Dass Konkurrenz das Geschäft belebt, zeigt sich hingegen bei 30 untersuchten Online-Apotheken: Aspirin und Voltaren werden in den deutschen Internet-Filialen zwischen fünf und 53 Prozent preisgünstiger angeboten als von den Herstellern empfohlen. Selbst wenn man die Versandkosten zwischen 2,90 Euro und 6,00 Euro hinzuaddiert, toppen lediglich zwei Internetanbieter den üblichen Preis, der in den örtlichen Apotheken verlangt wird. Allerdings hapert's bei einigen Anbietern im Netz noch bei den Bestell- und Versandmodalitäten.

"Bei frei verkäuflichen Arzneimitteln zahlt sich der Wettbewerb noch nicht in Cent und Euro aus. Am ehesten haben internetkundige Verbraucher eine Chance, rezeptfreie Medikamente über Versandapotheken preiswerter zu bekommen", kritisiert Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, die Stagnation auf dem Markt. Müller fordert von den Apothekern, "sich von ihrer starren und einheitlichen Preisgestaltung zu verabschieden, die sich an den unverbindlichen Preisempfehlungen der Pharma-Industrie orientiert". Nur wenn bei frei verkäuflichen Arzneien der Wettbewerb floriere, könnten Patienten auch von Preissenkungen profitieren.

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