Ärzte Zeitung online, 09.03.2009

800 Jahre Cambridge - Universität der Superlative

CAMBRIDGE (dpa). Es ist eine Universität der Superlative: 83 Nobelpreisträger und zwei Dutzend Staatsoberhäupter studierten oder forschten bisher an der Universität von Cambridge. In diesem Jahr feiert sie ihr 800-jähriges Bestehen. Mit dabei ist auch ein Student aus Erfurt.

Christian Richardt ist 23 Jahre und studiert seit 2004 Informatik in Cambridge. Er ist Vorsitzender der dortigen deutschen Studentenschaft. An seinem Erfurter Gymnasium war Richardt herausragend. Schon vor dem Abitur hatte er nach schwierigen Aufnahme-Interviews die Zusage aus Cambridge in der Tasche, da musste es nur noch mit dem Spitzen-Abitur klappen.

Und es klappte. Mit einem Notenschnitt von 1,0 kam Richardt im Herbst 2004 aus der thüringischen Landeshauptstadt in die Stadt mit den prächtigen mittelalterlichen College-Gebäuden - und musste sich erst einmal umstellen: "Wo die Studenten herkommen, waren sie überall die Klassenbesten. In Cambridge müssen sie sich erstmal neu einordnen."

Dabei hilft ihnen ein ziemlich verschulter und vor allem leistungsorientierter Stundenplan. Von Montag bis Samstag geht es in Vorlesungen, meist zweimal am Tag. Hinzu kommen zahlreiche praktische Seminare und Übungen. "Das ist eine 60-Stunden-Arbeitswoche mit einem freien Tag", stellt Richardt fest. Selbst die Studentenpartys sind mitunter auf das Arbeitspensum abgestimmt und hören meist schon um zwei Uhr morgens auf. "Da muss man intensiver feiern", sagt Richardt augenzwinkernd.

Dabei wäre der Mythos Cambridge nie entstanden, wenn es im Jahr 1209 nicht zu Unruhen in Oxford gekommen wäre. Ein paar Studierende zogen in die rund 160 Kilometer entfernte Stadt am Flüsschen Cam, um sich in Ruhe weiter ihren Studien widmen zu können. Aus dem Ausweichquartier wurde eine Universität, die seit Jahrhunderten eine führende Rolle in der weltweiten Hochschullandschaft einnimmt. Hier wurde das Elektron gefunden, das Atom gespalten, die DNA-Struktur entdeckt.

Hier studierten der Mathematiker Isaac Newton, Evolutionsforscher Charles Darwin, der Autor Salman Rushdie oder der Astrophysiker Stephen Hawking, der nach seiner Doktorarbeit am Gonville and Caius College der Universität weiterwirkte - rund 40 Jahre später studiert Richardt an genau diesem College, manchmal kommt Hawking noch zum Dinner. "Es ist schon toll, ein Teil davon zu sein", sagt der Erfurter.

Und für die Spitzen-Ausbildung müssen Richardt und die rund 18 000 Cambridger Studenten gar nicht tiefer in die Tasche greifen, als Studierende an anderen britischen Universitäten. Umgerechnet 3800 Euro pro Jahr betragen die Studiengebühren, weit weniger als die fünfstelligen Beträge, die etwa US-Universitäten erheben. Und das Geld ist gut angelegt, nicht nur wegen der exzellenten Jobaussichten. Die Studenten bekommen auch Unterkunft, Essen und Betreuung in einem der 31 Colleges, die über die Stadt verteilt sind. Dort findet auch Unterricht in Kleinstgruppen, Supervisions genannt, statt.

Auch deshalb ist Cambridge immer noch Magnet für Hochbegabte. Je nach Studiengang kommen auf einen Studienplatz zwischen vier und zehn Bewerber, die in persönlichen Interviews ausgesiebt werden. Und obwohl die meisten seiner ehemaligen Schulkameraden sicher ein entspannteres Studentenleben haben, würde Richardt immer wieder den Weg von Erfurt nach Cambridge gehen. "Es ist fantastisch hier zu lernen, alle Studenten sind motiviert und clever."

Website zum 800-jährigen Bestehen: www.800.cam.ac.uk

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