Ärzte Zeitung, 20.03.2009

Was Sie über die Fusion wissen sollten

Sieben Fragen und Antworten rund um die Fusion von Merck & Co und Schering-Plough.

?Was gewinnt Merck & Co. mit Schering Plough hinzu?

Zum Beispiel mehr Umsatz in Europa sowie in aufstrebenden Märkten wie Asien und Lateinamerika, Regionen, in denen Schering-Plough stärker ist als Merck & Co. Das bedeutet weniger Abhängigkeit vom US-Geschäft. Die USA sind zwar der größte Arzneimittelmarkt der Welt, aber auch einer mit dem schwächsten Wachstum; gerade mal ein Prozent hat der Arzneimittelumsatz dort im vergangenen Jahr zugelegt.

?Wie wird sich denn der Umsatz der neuen Merck & Co. verteilen?

Merck & Co. erzielt derzeit 10,5 Milliarden Dollar außerhalb der USA, beide US-Konzerne haben zusammen 25 Milliarden Dollar Auslandsgeschäft. Der US-Anteil verringert sich durch die Fusion von 56 auf 47 Prozent. Jetzt erwirtschaftet Merck & Co. nur jeden vierten Dollar seines Umsatzes in Europa und Kanada, nach der Fusion ist es jeder Dritte.

?Was macht die Pipeline von Schering-Plough so attraktiv?

Vor allem sind es zwei der Indikationen, für die Schering-Plough Arzneimittel entwickelt, die Merck & Co. besonders interessieren, die Onkologie und die Neurologie. Merck & Co. hatte nämlich schon vor der Fusion geplant, sich stärker diesen wachstumsstarken Gebieten zuzuwenden, die in seinem Portfolio bisher noch keine Rolle spielen. Zu Wunschindikationen kommt man am schnellsten durch Zukauf. Aus eigener Kraft dauert es deutlich länger. So hat Merck & Co. zehn Jahre forschen müssen, bis es vor zwei Jahren mit Januvia®, dem ersten DPP-4-Hemmer, in den Diabetes-Markt einsteigen konnte.

?Wie hoch sind die erwarteten Einsparungen?<

Beide Konzerne haben unabhängig voneinander bereits Kostensenkungsprogramme aufgelegt, die sich auf zusammen 2,5 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen. Synergieeffekte durch die Fusion sollen weitere Einsparungen von jährlich 3,5 Milliarden Dollar bringen. Ab dem Jahr 2012 will Merck & Co. seine jährlichen Kosten um knapp sechs Milliarden Dollar reduziert haben. Etwa 60 Prozent davon sollen im Marketing und in der der Verwaltung realisiert werden und 40 Prozent in der Forschungs- und Entwicklungsorganisation und in der Produktion.

?Gehen Arbeitsplätze verloren?

Ja, doch nannten die Partner dazu offiziell keine Zahlen. Es verlautete lediglich, dass bei beiden ein Einstellungsstopp gilt und die Mehrheit der Schering-Plough-Mitarbeiter übernommen würde. Inoffiziell war von einem Abbau von 15 Prozent die Rede, dann wären 16 000 Arbeitsplätze betroffen.

?Wie ist der weitere Fahrplan, wann wird die Fusion vollzogen?

Voraussichtlich im vierten Quartal. Bis dahin müssen die Aktionäre und die Kartellbehörden entscheiden.

?Über Roche-Genentech wird weniger geredet, warum?

Die Übernahme der restlichen Genentech-Anteile durch Roche ist zwar der Summe nach der größere Deal. Dieser ist aber nicht so spannend. Roche hatte ja bereits die Mehrheit an dem Biotech-Unternehmen. Außerdem ändert sich nicht viel am Portfolio. Die Basler stärken ihre führende Position bei Krebsarzneimitteln und bleiben weltgrößter Diagnostikaanbieter. Merck & Co. folgt dagegen der Strategie, durch Zukäufe breiter aufgestellt zu sein. Sogar OTC-Arzneimittel kommen mit Schering-Plough hinzu, und auch die Fußpflegeprodukte Dr. Scholl‘s gehören ins Portfolio. (brs)

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