Ärzte Zeitung, 27.03.2009

B. Braun wächst trotz Wirtschaftskrise robust

Organisches Wachstum durch Prozess- und Produktinnovationen - das ist die Strategie des Gesundheitskonzerns B. Braun Melsungen. Bis jetzt hat sie das Unternehmen sicher durch die Krise gebracht.

Von Hauke Gerlof

"Wir leben im 30. Jahr der Gesundheitsreform. Darauf können wir uns nur mit echten Innovationen einstellen." Ludwig Georg Braun Vorstandsvorsitzender der B. Braun Melsungen AG

Unternehmen der Gesundheitsbranche sind bisher in der Regel von der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise weitgehend verschont geblieben. Die B. Braun Melsungen AG, der weltweit agierende Gesundheitskonzern mit Stammsitz in Nordhessen, macht hier keine Ausnahme, im Gegenteil: "Wir wachsen aus eigener Kraft, es gibt keine großen, in hohem Maße fremdfinanzierten Akquisen. Das macht uns auch im Blick auf 2009 zuversichtlich", sagte Vorstandsvorsitzender Ludwig Georg Braun bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens (wir berichteten kurz).

Beim Gewinn soll es 2009 wieder aufwärts gehen

Nach einem Umsatzwachstum von sechs Prozent im vergangenen Jahr auf 3,79 Milliarden Euro sollen es 2009 nun immer noch vier bis sechs Prozent mehr werden - trotz mancher Unwägbarkeiten aus der Finanzkrise, so Braun, etwa zur Nachfrage nach Investitionsgütern wie Dialysemaschinen. Besonders dynamisch ist den Aussagen zufolge die Entwicklung in Europa gewesen (plus 9,4 Prozent), in Deutschland stieg der Umsatz um 5,6 Prozent.

Beim Gewinn hofft Braun 2009 sogar wieder auf Zuwächse, nachdem 2008 der Gewinn vor Steuern um fünf Prozent zurückgegangen war. Nicht zuletzt die gestiegenen Rohstoffkosten und Währungsverluste vor allem in Osteuropa hätten den Konzern getroffen, sagte Braun. Bei den Rohstoffkosten gebe es aber jetzt eine deutliche Entspannung. Das erste Quartal habe bis jetzt im Rahmen der Erwartungen gelegen.

Das Unternehmenswachstum generiere sich aus Produkt- und Prozessinnovationen, erläuterte Braun weiter. Allein in Deutschland habe man mit 170 Millionen Euro in einem Jahr so viel investiert wie noch nie. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung seien um gut zwölf Prozent auf rund 130 Millionen Euro gesteigert worden.

Zu den Innovationen zählt Braun vor allem die Zellzüchtungsprojekte für Implantate bei Verletzungen der Kniegelenke und der Bandscheiben. "Wir wollen in diesem Jahr 2000 Implantate verfügbar stellen, bei denen Zellen minimal-invasiv entnommen, gezüchtet und dann wieder implantiert werden", sagte Braun. Die Eingriffe könnten jeweils nach einer Stunde erledigt sein. Ein weiteres Innovationsthema sei in diesem Jahr Sicherheit. So ist zum Beispiel die Palette der Produkte zur Verhinderung von Nadelstichverletzungen wiederum erweitert worden, so Braun.

Das Dialysegeschäft wächst weiter kräftig

Besonders kräftig ist auch im vergangenen Jahr die Dialyse-Sparte Avitum gewachsen (plus 14,6 Prozent auf fast 403 Millionen Euro) - und dabei sowohl der Verkauf von Dialysemaschinen als auch der Betrieb von Dialysestationen. B. Braun Avitum betreue jetzt 8000 Dialysepatienten, so der Vorstandsvorsitzende. Die Sparte sei sehr viel kleiner als Fresenius Medical Care, so Braun. "Aber wir halten den Wettbewerb aufrecht."

B. Braun Melsungen

Geschichte: Das Unternehmen besteht seit fast 170 Jahren. Die AG ist in Familienbesitz.

Branche: Medizinprodukte und -geräte sowie Dienstleistungen im Gesundheitswesen. Aufteilung in Hospital Care (fast 1,8 Mrd. Euro Umsatz), Aesculap (fast 1,1 Mrd. Euro, v.a. Produkte für Chirurgie), OPM (495 Mio. Euro, ambulante Versorgung), B. Braun Avitum (403 Mio. Euro, Dialyse).

Umsatz/Ertrag 2008: 3,79 Mrd. Euro (plus 6 Prozent, gut ein Fünftel davon in Deutschland), Gewinn vor Steuern: 268,8 Mio. Euro (minus 5 Prozent)

Mitarbeiter: weltweit 38 132 (plus 4,5 Prozent), in Deutschland: 10 513 (plus 3,8 Prozent).

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