Ärzte Zeitung online, 06.04.2009

Marnette: Weitere Milliardenverluste bei HSH Nordbank

HAMBURG/KIEL (dpa). Der zurückgetretene Kieler Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) erwartet weitere Milliardenverluste der HSH Nordbank. Die von den Landesregierungen in Hamburg und Kiel beschlossene Eigenkapitalspritze in Höhe von drei Milliarden Euro sei "Ende dieses Jahres schon verfrühstückt", so Marnette.

Grund seien zu optimistische Annahmen der Nordbank-Führung hinsichtlich der Konjunkturentwicklung und eine nicht ausreichende Risikovorsorge im Bereich Schifffahrt. Die HSH Nordbank habe gut 33 Milliarden Euro Volumen bei der Schiffsfinanzierung, sagte Marnette dem Magazin "Der Spiegel".

Der 63-Jährige hatte vergangenen Sonntag überraschend seinen Rücktritt erklärt. Zuvor habe er die als Projektstudie zusammengefassten Unterlagen der HSH Nordbank und der von beiden Landesregierungen beauftragten Beratungsunternehmen einsehen können. Aus denen gehe hervor, "dass 64 Prozent des finanzierten Schiffsportfolios von den Rating-Agenturen schlechter als A eingestuft wurden. Das sind alles Wackelkandidaten". Vor diesem Hintergrund sei es auch mehr als wahrscheinlich, dass die von beiden Ländern bereitgestellte Bürgschaft von zehn Milliarden Euro "kräftig angeknabbert" und weiteres Kapital benötigt würde.

Nach Angaben des Magazins beklagte Marnette, dass Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Finanzminister Rainer Wiegard (beide CDU) an realistischen Zahlen zur Bewertung der Bank kein Interesse gehabt hätten. Dafür habe der Regierungschef mit brutaler Deutlichkeit Loyalität für seinen Kurs der Krisenbewältigung eingefordert.

So habe Carstensen ihm am Vorabend der Finanzausschuss-Sitzung vom 19. März mitgeteilt: "Wenn sie sich morgen nicht klar hinter die Position der Landesregierung stellen, kann ich nicht länger mit ihnen zusammenarbeiten. Und lassen sie sich nicht vom Geschwätz aus dem Kreis der CDU-Fraktion irritieren. Das sind Leute, die ihre Hausaufgaben in ihrer Schlosserei oder ihrem Elektrogeschäft nicht hinkriegen, die aber hier große Finanzwelt spielen wollen", sagte Marnette dem Nachrichtenmagazin.

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