Ärzte Zeitung online, 07.04.2009

Lidl erneut im Visier von Datenschützern

STUTTGART/NECKARSULM (dpa). Der Lebensmitteldiscounter Lidl ist nur wenige Monate nach Bußgeldzahlungen in Millionenhöhe wegen der Bespitzelung von Mitarbeitern erneut ins Visier der Datenschützer geraten. Die Konzernzentrale in Neckarsulm müsse einen "umfangreichen Fragenkatalog" beantworten, teilte die baden-württembergische Aufsichtsbehörde für den Datenschutz im nichtöffentlichen Bereich am Montag mit.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass das Unternehmen die Krankheiten von Mitarbeitern systematisch in firmeninternen Unterlagen festgehalten hatte (wir berichteten). Die Datenschützer wollen klären, wo Lidl diese Praxis anwandte. Ob erneut Bußgelder drohen, konnte die Behörde noch nicht sagen.

Der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Joachim Jacob, der seit Monaten an einem neuen Datenschutzkonzept für Lidl arbeitet, sagte, Krankenakten seien bei Lidl gängige Praxis gewesen. Ob es bei der Dokumentation flächendeckende Anweisungen für jede der mehr als 30 Lidl-Regionalgesellschaften gegeben habe, konnte er aber nicht sagen. Seine Prüfung werde noch bis Mai oder Juni dauern. "Wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen", sagte Jacob.

Von den geheimen Krankenakten habe er im November erfahren. "Bis Anfang Dezember hätten eigentlich alle Unterlagen zerschreddert werden müssen", sagte Jacob. "Ich bin schon angefressen, dass durch diese neuerliche Sache das Ganze jetzt wieder einen Knacks bekommt."

Zufällig entdeckte Lidl-Unterlagen in einer Mülltonne im Ruhrgebiet hatten den neuen Fall ins Rollen gebracht. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte berichtet, in den Dokumenten sei es beispielsweise festgehalten worden, wenn Mitarbeiter psychische Probleme hatten oder sich wegen eines unerfüllten Kinderwunsches behandeln ließen. Nach der im März 2008 bekannt gewordenen Bespitzelung hatte Lidl Bußgelder von 1,5 Millionen Euro bezahlen müssen.

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