Ärzte Zeitung online, 13.05.2009

NRW: Bochum wird Heimat des neuen Gesundheitscampus

DÜSSELDORF (akr). Die nordrhein-westfälische Landesregierung siedelt den neuen Gesundheitscampus des Landes in Bochum an. Das gab Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) am Dienstag in Düsseldorf bekannt. "Wir wollen eine führende Gesundheitsregion in Europa werden", begründete Rüttgers den Aufbau der neuen Einrichtung. Die Standortwahl sei für das Ruhrgebiet ein wichtiges Signal für den Wandel.

Die Landesregierung baut nach dem Vorbild des US-amerikanischen "National Institutes of Health" einen zentralen Campus auf. Dort werden die zurzeit im Land verstreut liegenden Einrichtungen für Gesundheit angesiedelt, darunter das Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen und das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit. Herzstück des Campus wird die neue Fachhochschule für nicht-ärztliche Gesundheitsberufe wie Hebammen, Logopäden oder Physiotherapeuten mit 1000 Studienplätzen (wir berichteten). Das gesamte Projekt hat ein Finanzvolumen von 75 Millionen Euro. "Der Gesundheitscampus soll als Gravitationszentrum in Nordrhein-Westfalen nationale und internationale Kooperations- und Vernetzungsstrukturen aufbauen", sagte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Ruhrgebiet überzeugte mit großer Klinikdichte

Die Entscheidung für Bochum hat die Landesregierung aufgrund der Empfehlung einer unabhängigen Expertenkommission unter Leitung von Professor Karl Max Einhäupl von der Berliner Charité getroffen. Als Standort hatten sich auch Castrop-Rauxel, Dinslaken, Dortmund, Duisburg, Essen, Hagen, Oberhausen und Unna beworben. Ursprünglich hatten weitere Regionen Ansprüche angemeldet, aber die Landesregierung hatte sich wegen der großen Klinikdichte schon früh auf das Ruhrgebiet festgelegt. Ausschlaggebend für die Empfehlung zugunsten Bochums sei die wissenschaftliche, medizinische und gesundheitswirtschaftliche Kompetenz, sagte der Kommissionsvorsitzender Einhäupl. Die Stadt will sich mit einem erheblichen finanziellen Beitrag am Aufbau des Campus beteiligen. "Dies haben wir als Hinweis für den starken Rückhalt in der Stadt gedeutet", sagte er.

Auch das bislang in Münster angesiedelte Krebsregister, das erst 2005 seine Arbeit aufgenommen hat, muss auf den Bochumer Campus. Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe Dr. Theodor Windhorst forderte, dass die Arbeit des Registers unter dem Umzug nicht leiden darf. "Hierfür ist zunächst ein geordneter Abschluss der derzeitigen Aufbauarbeiten unerlässlich", sagte Windhorst. Dies werde naturgemäß noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Für die Mitarbeiter des Registers müsse berufliche Planungssicherheit erreicht werden, damit ein "fachlicher Aderlass" vermieden werde, sagte er.

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