Ärzte Zeitung online, 19.05.2009

Studie: Betriebsklima verschlechtert sich

FRANKFURT/MAIN (dpa). Eine neue Studie zeichnet ein düsteres Bild der Arbeitssituation in deutschen Unternehmen und Organisationen. Während die Belastungen zunähmen, verschlechtere sich das Betriebsklima, teilte die Universität Frankfurt am Montag mit. Die Arbeitsintensität nehme zu und Kollegialität schwinde.

"Die Arbeitswirklichkeit unterliegt tiefgreifenden Veränderungen, die in den vergangenen Jahren noch an Geschwindigkeit zugelegt haben", sagte einer der Leiter der Studie, Professor Rolf Haubl, der auch einer der Direktoren des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts ist.

Der Professor für psychoanalytische Sozialpsychologie hatte rund 1000 Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Supervision befragt. Supervisoren und Coacher beraten Unternehmen und Organisationen überwiegend im sozialen Bereich zu Themen wie Zusammenarbeit und Teambildung.

Ein Großteil der Unternehmen befindet sich laut Studie in turbulenten Veränderungsprozessen. "Der ökonomische Druck der letzten Jahre und der daraus entstehende ständige Reformzwang hat zu einer höchst problematischen "Blase" sich verdichtender Probleme in Organisationen geführt, die lange Zeit kaum wahrgenommen wurde, nun aber "platzen" könnte", warnt Haubl. Den permanenten Umbau eines Unternehmens könnten viele Beschäftigte nicht mehr nachvollziehen und identifizierten sich deshalb nicht mehr mit ihrer Arbeit.

Das Bild der Führungskräfte habe sich auch verändert. Viele Mitarbeiter sehen in ihnen der Studie zufolge keine Wächter guter Arbeit und Qualitätsstandards mehr, sondern reine Manager, die profitable Veränderungen durchsetzen wollen. "Die Beschäftigten beklagen sich, dass ihre Chefs oft die notwendigen Führungskompetenzen nicht mitbringen, um den Wandel für die Mitarbeiter erträglich zu gestalten", heißt es in der Mitteilung.

Kollegialität und Solidarität schwinden laut Studie immer mehr. "Oft ist die Belegschaft in Gruppen gespalten, die sich gegenseitig das Leben schwer machen", wird der Forscher in der Mitteilung zitiert. All diese Faktoren führen laut Studie zu psychischen wie körperlichen Problemen. Anhaltende Überforderung führe zudem zu einer "Kultur des Klagens". "Dieses Klagen ist keine angemessene Auseinandersetzung mit dem Problem, sondern dessen Ritualisierung, die es eher aufrecht erhält", so Haubl.

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