Ärzte Zeitung online, 03.06.2009

Sanierungskonzept für Merckle-Imperium auf Schlussgerade

ULM(dpa). Das Sanierungskonzept für die angeschlagene Merckle- Gruppe steht kurz vor der Unterschriftsreife: "Wir sind auf gutem Weg, in dieser Woche zu einer abschließenden Einigung zwischen den Banken und der Eigentümerfamilie zu kommen", hieß es am Mittwoch aus Verhandlungskreisen.

Bis Anfang 2011 soll Familienerbe Ludwig Merckle nach Aussagen aus den Kreisen Kredite in Höhe von acht Milliarden Euro an die Banken zurückzahlen. Laut "Manager-Magazin" liegt die Summe bei 8,4 Milliarden Euro. VEM, die Vermögensverwaltung der Merckle-Gruppe, wollte die Summe nicht kommentieren.

ratiopharm-Verkauf könnte sich bis 2010 hinziehen

Im Gegenzug werden die Banken VEM und dem Mannheimer Pharmagroßhändler Phoenix nach Angaben der Kreise einen Sanierungskredit in etwa der Höhe des zuletzt gewährten Überbrückungskredits von 400 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Um die Schulden zu tilgen, soll der Generikahersteller ratiopharm verkauft werden (wir berichteten). Dessen Wert schätzen Analysten auf bis zu 3,5 Milliarden Euro. Doch mit dem Verkaufsabschluss wird nicht vor Frühjahr 2010 gerechnet. 2008 hatte die Nummer zwei auf dem deutschen Generikamarkt einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Interesse wird unter anderem dem Finanzinvestor EQT sowie dem französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis und dem weltgrößten Generikahersteller Teva Pharmaceuticals nachgesagt.

In den kolportierten acht Milliarden Euro sind die Finanzschulden von Phoenix enthalten, jedoch nicht die Schulden des zum Merckle-Imperium gehörenden Baustoffkonzerns HeidelbergCement. Der Baustoffriese steht seit der 14 Milliarden Euro teuren Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson im Jahr 2007 mit gut zwölf Milliarden Euro bei den Banken in der Kreide und ordnet derzeit seine Finanzstruktur neu.

Erst Mitte Mai hatten die Banken einen Überbrückungskredit von 600 Millionen Euro bewilligt. Gerüchte über eine drohende Insolvenz wies eine HeidelbergCement-Sprecherin zurück. "HeidelbergCement wies zum Ende des ersten Quartals flüssige Mittel in Höhe von zwei Milliarden Euro aus", sagte sie am Mittwoch der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Kreisen zufolge liebäugelt der Heidelberger Konzern derzeit mit einem Kredit der staatseigenen KfW. Dies wollte die Sprecherin allerdings nicht bestätigen.

Die Merckle-Gruppe war Ende 2008 auch durch die Folgen der Finanzkrise in eine Schieflage geraten. Firmenpatriarch Adolf Merckle hatte sich im Januar das Leben genommen, kurz vor seinem Tod aber noch den Kompromiss mit den Banken für die Rettung seiner Unternehmen in die Wege geleitet.

Treuhänder kümmern sich um Sanierung

Im Mai übernahm Merckles ältester Sohn Ludwig als Alleinerbe alle wesentlichen Beteiligungen der Familie. Er wurde zum Herrscher über einen Konzern mit mehr als 90 000 Beschäftigten und fast 40 Milliarden Euro Umsatz. Auf Druck der Kreditgeber musste er im Januar aus der VEM-Geschäftsführung ausscheiden. Seit Februar kümmern sich zwei Treuhänder um den Verkauf und die Sanierung von ratiopharm. Auch Phoenix bekam einen Treuhänder.

Neben dem Verkauf von ratiopharm favorisieren die Banken offensichtlich in einem zweiten Schritt den Verkauf von Phoenix und von Anteilen an HeidelbergCement. Erst kürzlich hatte der Chef der britischen Firma Alliance Boots, Stefano Pessina, im Gespräch mit dem "Handelsblatt" Interesse an Phoenix angemeldet. Der Pharmagroßhändler wies 2008/09 (31. Januar) einen Umsatz von 22,6 Milliarden Euro aus. Allerdings standen auch noch etwa vier Milliarden Euro Finanzschulden in der Bilanz.

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