Ärzte Zeitung, 07.07.2009

Der Ausbau der Produktionskapazitäten zahlt sich jetzt aus

Beim H1N1-Grippeimpfstoff gibt es keine Me-too-Diskussion. Jeder Anbieter wird gebraucht, auch wer nicht als erster auf den Markt kommt.

Von Bertold Schmitt-Feuerbach

Mit einigen Monaten Vorsprung vor den Wettbewerbern den Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse auf den Markt zu bringen, garantiert in der Pharmaindustrie oft die Marktführerschaft auf Jahre. Beim Impfstoff gegen die Schweinegrippe gilt das nicht. Zwar kann die Pandemie um so besser eingedämmt werden, je eher ein Impfstoff zur Verfügung steht. Noch wichtiger ist es aber, die Nachfrage von Regierungen aus der ganzen Welt zu bedienen, das wird ein Hersteller allein niemals können.

Jetzt zahlt sich aus, dass viele Hersteller in den letzten Jahren viele Millionen Euro in die Erweiterung ihrer Kapazitäten für Grippeimpfstoffe investiert haben. Zum Beispiel Sanofi Pasteur. Die Impfstofftochter von Sanofi-Aventis hat im Mai gerade die Produktionsgenehmigung der US-Arzneimittelbehörde FDA für ihr neues Grippeimpfstoffwerk in Swiftwater im US-Bundesstaat Pennsylvania erhalten. Mit einer Investition von 150 Millionen Dollar wurde dort die Kapazität um 100 Millionen Dosen pro Jahr erhöht. Eine weitere Anlage von Sanofi Pasteur entsteht für 100 Millionen Euro in Ocoyoacac in Mexiko.

Kapazitäten reichen für ein bis zwei Milliarden Dosen.

Der Betrieb soll in etwa vier Jahren fertiggestellt sein. Dann sollen dort jährlich bis zu 25 Millionen saisonale Grippe-Impfdosen hergestellt werden. Auch diese Anlage ist darauf ausgerichtet, dass bei Bedarf zur pandemischen Impfstoffproduktion gewechselt werden kann.

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat angekündigt, in diesem Jahr die Kapazität der im Herbst 2007 eröffneten Zellkulturanlage von Novartis Behring im hessischen Marburg zu verdoppeln. Eine zweite Anlage wird, in Zusammenarbeit mit dem US-Gesundheitsministerium, derzeit in Holly Springs im US-Bundesstaat North Carolina gebaut.

Die Anlage von GlaxoSmithKline Biologicals in Dresden, bisher unter dem Namen Sächsisches Serumwerk bekannt, wurde seit 2005 für weitere 100 Millionen Euro vergrößert. Zusätzlich entstand in Dresden für 25 Millionen Euro eine weitere Anlage zur Spritzenabfüllung. Dresden ist innerhalb des Konzernverbundes von GlaxoSmithKline der weltweit größte und der einzige europäische Standort zur Produktion von Grippeimpfstoffen.

Die zusätzlichen Kapazitäten der großen Impfstoffunternehmen werden dringend benötigt, denn außer einer H1N1-Vakzine müssen sie die Versorgung mit Impfstoffen für die jährlichen saisonalen Influenzawellen auf der Nord- und auf der Südhalbkugel sicherstellen. Die WHO gibt den jährlichen Bedarf dafür mit etwa 500 Millionen Dosen an. Die Organisation schätzt auf Basis einer weltweiten Umfrage die maximal verfügbare Kapazität für einen Pandemie-Impfstoff auf jährlich 4,9 Milliarden Dosen - im günstigsten Falle. Die mehr konservative Schätzung, so die WHO, geht von wenigstens ein bis zwei Milliarden aus.

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