Ärzte Zeitung, 20.07.2009

Gesundheitsfirmen fehlt oft die politische Unterstützung

In Schleswig-Holstein tummeln sich viele kleine und mittelständische Unternehmen der Gesundheitsbranche. Doch außerhalb der Landesgrenzen wird das viel zu wenig wahrgenommen, meinen Politiker.

Von Dirk Schnack

Gesundheitsland, als solches möchte sich Schleswig-Holstein sehen. Doch, wer hinter die Kulissen schaut, erkennt, hier ist noch einiges an Arbeit nötig. Ein Beispiel zeigt es: Die schleswig-holsteinische Waldgruppe beliefert Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Medizinische Versorgungszentren, Arztpraxen. Sie transportiert Arzneimittel, medizinisches Verbrauchmaterial, Instrumente, Infusionen, Wäsche, Lebensmittel und Bürobedarf. Doch den Speziallogistiker aus Wahlstedt kennen außerhalb der Branche nur wenige Menschen.

Damit befindet sich die Firma in bester Gesellschaft. Während große Unternehmen wie Damp und Dräger auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind, arbeiten viele Mittelständler zwar erfolgreich in ihrer Nische, aber unbemerkt vom Publikum. Auf einem Symposium der FDP-Landtagsfraktion wurde deutlich, dass ohne solche mittelständische Firmen viele Dienstleistungen, Trends und Ideen im Gesundheitswesen gar nicht möglich wären.

Zum Teil sind die Firmen schon seit vielen Jahren erfolgreich am Markt, wie etwa TurboMed aus Molfsee. Das 1991 von einem Kieler Arzt gegründete Unternehmen erzielt heute einen Jahresumsatz von über 13 Millionen Euro und laut Geschäftsführer Lars Hübner seit sechs Jahren die höchsten Neukundenzuwächse bei Arztinformationssystemen. Warum das von der Öffentlichkeit nicht bemerkt wird? "Wenn wir unseren Job gut machen, fallen wir in der Arztpraxis nicht auf", so Hübner.

Ein anderes Beispiel ist die Firma ife. Sie berät an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr Anrufer zu Fragen der Gesundheit und beschäftigt dafür unter anderem 96 Ärzte. Geschäftsführer Ekko Schrader betont, dass die ife keine Arzttermine verhindern will, aber ergänzenden Rat bietet, denn: "Viele Fragen kommen erst zu Hause."

Andreas Kurda vom gleichnamigen Sanitätshaus sieht ein Erfolgsrezept im Gesundheitswesen in der interdisziplinären Zusammenarbeit und in der Darstellung messbarer Qualität. Nach seinen Erfahrungen könnte die Qualität in der Versorgung gesteigert werden, wenn die Politik nicht - wie im Rahmen der Ausschreibung von Hilfsmitteln geschehen - zu starke Vorgaben macht.

Ingmar Behrens von der Kieler Agentur Image Marketing beschäftigte sich mit dem Bild der Gesundheitsbranche in der Öffentlichkeit, das unmittelbar von der Leistung und dem Image der Akteure, also auch der Ärzte, geprägt ist. Das umschrieb er angesichts der ständigen Kosten- und Honorardiskussion salopp mit "dem Laden geht es schlecht". Seine Schlussfolgerung: "Das ist aus Marketingsicht ein schlechtes Produkt. Wer will da schon hingehen, wenn er nicht gerade muss?" Er riet dazu, die Marketinganstrengungen auf die Kommunikation zwischen Patient und Arzt beziehungsweise Klinik zu richten.

Dr. Heiner Garg, Gesundheitsexperte der FDP-Landtagsfraktion, ist trotz mancher Erfolge nicht zufrieden mit dem, was das Gesundheitsland Schleswig-Holstein bisher erreicht hat. Die Alleinstellungsmerkmale, die das Land aufweist, bräuchten mehr politischen Rückenwind.

Den Unternehmen fehlten "die politische Begleitung und Unterstützung für den Zeitraum, bis sie sich vollständig etabliert haben - oder die politische Unterstützung wurde ihnen zu früh wieder entzogen", so Garg. Als Beispiel führte er das Gütesiegel "Medizinische Rehabilitation in geprüfter Qualität" an. "Jetzt fehlt diesem Leitprojekt die notwendige politische Unterstützung, um es bundesweit zu vermarkten."

Ein anderes Beispiel sei die "Patientenbrücke", über die inzwischen 15 Prozent aller Auslandsbehandlungen norwegischer Patienten in Schleswig-Holstein erfolgen. "Die dabei gewonnenen Erfahrungen müssen auch für andere Projekte genutzt werden. Dafür brauchen Leistungsanbieter politische Lobbyarbeit", sagte Garg.

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