Ärzte Zeitung online, 30.07.2009

Sanofi-Aventis sitzt Pfizer im Nacken

PARIS(dpa). Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis gewinnt gegenüber dem US-Branchenprimus Pfizer weiter an Boden. Das von dem Deutsch-Kanadier Chris Viehbacher geleitete Unternehmen setzte sein Wachstum im zweiten Quartal fort und hob die Gewinnprognose für 2009 an. Die weltweite Nummer eins Pfizer hatte für die ersten sechs Monate des Jahres einen herben Gewinn- und Umsatzeinbruch gemeldet.

Angetrieben von der Nachfrage nach den wichtigsten Kernprodukten wie dem Diabetesmittel Lantus® und dem Impfstoffgeschäft steigerte Sanofi-Aventis den Gewinn vor Sonderposten im ersten Halbjahr um satte 22,3 Prozent auf 4,45 Milliarden Euro. "Wir haben im zweiten Quartal dank des soliden Wachstums unserer Kernprodukte, der Impfstoffe, der jüngsten Zukäufe sowie der Nachfrage aus den Schwellenländern sehr starke Zahlen vorgelegt", sagte Viehbacher am Mittwoch in Paris. Im ersten Halbjahr sei der Umsatz um 6,7 Prozent auf 14,55 Milliarden Euro gestiegen, im zweiten Quartal um 11,2 Prozent.

In den kommenden Monaten soll es so weitergehen. Von der Nachfrage nach Impfstoff gegen die Schweinegrippe erhofft sich das Unternehmen weiteren Schub. Aus den USA und auch aus Frankreich seien bereits bedeutende Aufträge eingegangen, sagte Viehbacher. Mit rund 30 Ländern liefen Verhandlungen. Der 49-Jährige rechnet nun für 2009 mit einem Anstieg des Ergebnisses pro Aktie vor Sonderposten von rund zehn Prozent bei konstanten Wechselkursen - zuletzt war von sieben Prozent ausgegangen worden.

An dem zum Verkauf stehenden deutschen Pharma-Unternehmen Ratiopharm hat Viehbacher kein Interesse. "Ich will keinen Umsatz kaufen, sondern Wachstumschancen", sagte er dem "Handelsblatt" (Donnerstag). Er bestätigte, dass sein Haus auf Zukaufkurs bleibe und nannte als Beispiel den Tierarznei-Anbieter Merial, der den Franzosen zusammen mit dem US-Riesen Merck & Co. gehört. "Sollte Merck seinen Merial-Anteil zum Verkauf stellen, wären wir interessiert", sagte Viehbacher.

Um seine Abhängigkeit von wenigen "Blockbustern" mit Milliardenumsatz zu reduzieren, hat der Pharmakonzern begonnen, sein Geschäft mit Nachahmermedikamenten, sogenannten Generika, auszubauen. Dazu wurden jüngst die Unternehmen Zentiva, Kendrick und Medley übernommen. Der Umsatz in der Sparte hat sich im zweiten Quartal mehr als verdreifacht. Weitere Wachstumschancen gebe es in den Schwellenländern, sagte Viehbacher.

Viehbacher drückt bei Sanofi-Aventis mit seinen rund 100 000 Mitarbeitern, davon rund 10 000 in Deutschland, aufs Tempo: Er will den Konzern zu einem der produktivsten in der Branche machen und so auch das Wachstum für die Zeit nach 2012 sicherstellen. Die französischen Gewerkschaften kritisieren allerdings den Kurs: Kurzfristig würden mindestens 1418 Stellen in Forschung und Entwicklung gestrichen, 500 weitere in anderen Unternehmensbereichen. Solche Maßnahmen seien angesichts der Zahlen weder heute noch mittelfristig zu rechtfertigen.

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