Ärzte Zeitung online, 18.11.2009

Merz will F&E-Ausgaben noch weiter erhöhen

FRANKFURT/M (cw). Das negative Urteil über den Nutzen von Memantine gegen mittelschwere oder schwere Alzheimer-Demenz hat dem Hersteller Merz nicht geschadet. Nach wie vor ist der Wirkstoff der wichtigste Umsatzträger und Wachstumstreiber des Frankfurter Familienunternehmens.

Wie Dr. Martin Zügel, Sprecher der Geschäftsführung, anlässlich der Bekanntgabe der Bilanz 2008/2009 (zum 30. Juni) versicherte, habe der Mitte September veröffentlichte Bericht des IQWiG "bei Ärzten und Patienten für Unverständnis gesorgt". Bislang seien keinerlei Auswirkungen des Berichtes auf den Memantine-Umsatz zu spüren. Das Thema könnte aber erneut aufkochen, wenn der GBA seine abschließende Stellungnahme abgibt. Damit rechnet Zügel nicht vor Anfang 2011.

Memantine, das Merz unter dem Warenzeichen Axura® vermarktet, ist der wichtigste Wachstumstreiber des Unternehmens. Das soll auch in den kommenden Jahren so bleiben. Das Patent für den Wirkstoff endet erst ab 2014. Im zurückliegenden Geschäftsjahr setzte Merz mit seinem Hauptprodukt selbst 95 Millionen Euro um (+28 Prozent). Davon entfielen allein auf den deutschen Markt 60 Millionen Euro (+22 Prozent). Weitaus mehr Einnahmen (rund 200 Millionen Euro) erzielte Merz über Lizenzeinnahmen für Memantine. Lizenznehmer sind der US-Anbieter Forest Laboratories und die dänische Lundbeck. Der weltweite Marktumsatz mit Memantine addierte sich in der Berichtszeit erstmals auf mehr als eine Milliarde Euro.

Insgesamt erhöhte sich der Merz-Umsatz mit Arzneimitteln 2008/09 um acht Prozent auf 590 Millionen Euro. Trotz des Zuwachses hat das Familienunternehmen mit 134 Millionen Euro vor Steuern etwa zwei Prozent weniger verdient. Das liege vor allem an den erneut höheren Investitionen in Forschung und Entwicklung, so Zügel. Mit 132 Millionen Euro nahmen die F&E-Ausgaben gegenüber der Vergleichsperiode der Vorjahre um 52 Prozent auf einen neuen Rekordwert zu. 50 Mitarbeiter wurden für die Forschung neu eingestellt.

"Wir investieren momentan in die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens", erklärte Zügel. Davon werde auch das aktuelle Geschäftsjahr geprägt. Für 2009/2010 prognostiziert Zügel einen Gewinn vor Steuern von nur noch rund 100 Millionen Euro und damit einen Rückgang von 25 Prozent.

Geld kosten derzeit vor allem drei große Phase-III-Studien für den Tinnitus-Wirkstoff Neramexane, der Aufbau eines Neurologie-Geschäftes in den USA und Zulassungsaktivitäten für diverse Anwendungen von Botulinumtoxin A.

Neramexane gilt als größter Hoffnungsträger in der Merz-Pipeline, der einmal die Blockbuster-Nachfolge von Memantine antreten soll. Erste Resultate aus dem Phase-III-Programm mit Neramexane, an dem sich 1200 Patienten beteiligen, werden für das 2. Quartal kommenden Jahres erwartet. Um die Entwicklung des Wirkstoffes in Japan voranzutreiben, wurde eine Kooperation mit Kyorin Pharmaceutical geschlossen. In Verhandlungen über weitere Kooperationen zur Vermarktung von Neramexane wolle man jedoch erst eintreten, wenn sich überzeugende Erfolge in Phase III abzeichnen, sagte Zügel. Im Erfolgsfall traue man dem Präparat Peak Sales bis zu vier Milliarden Euro zu.

Wachstum erhofft sich Merz außerdem von steigender Nachfrage nach Botulinumtoxin sowohl zu medizinischen als auch ästhetischen Zwecken sowie von einem neuen Falten-Filler auf Algen-Basis. Dieses Produkt ist bereits zugelassen und soll unter dem Namen Novabel® demnächst in den Markt kommen. Novabel® ist eine Eigenentwicklung von Merz zusammen mit dem Biotechunternehmen CellMed (Alzenau).

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