Ärzte Zeitung online, 27.11.2009
Biotechnologie-Branche setzt auf neue Geschäftsmodelle und Innovationen
BAD NAUHEIM (maw). Die deutsche Biotechnologie-Branche steht nach einem durchwachsenen Jahr 2009 im nächsten Jahr vor großen Herausforderungen. Das konstatierte Peter Heinrich, Vorstandssprecher des Wirtschaftsverbandes der Biotechnologie-Industrie, BIO Deutschland, auf dem jährlichen CEO&CFO-Meeting der Biotech-Branche in Bad Nauheim. Die Schlüssel zum Erfolg sieht Heinrich in neuen Geschäftsmodellen und innovativen Produkten.
Heinrich mahnte an, dass sich die Rahmenbedingungen für die Finanzierung der gesamten Branche dringend verbessern müssten. Heinrich: "Die meist kleinen und mittleren Biotech-Unternehmen Deutschlands sind derzeit noch stabil aufgestellt, benötigen aber im kommenden Jahr einen besseren Zugang zu Finanzierungsquellen wie Wagniskapital, Projektförderung und Pharmapartnerschaften. Nur so werden wir die vielfältigen Forschungs- und Entwicklungsprojekte weiter voranbringen können und im internationalen Kontext wettbewerbsfähig bleiben."
Jan Schmidt-Brand, Steuerexperte im BIO Deutschland-Vorstand, betonte in Bad Nauheim angesichts des derzeit diskutierten Gesetzes zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums der Bundesregierung den dringenden Reformbedarf. Das geltende Steuerrecht diskriminiere seiner Einschätzung nach die Entwicklung und Finanzierung innovativer Spitzentechnologien, da diese aufgrund des inhärenten Forschungs- und Entwicklungsrisikos selten durch Fremdkapital (Bankkredite) sondern vielmehr durch Eigenkapital (Wagnis- oder Beteiligungskapital) finanziert würden. Schmidt-Brand beklagte, die international bewährten Modelle zur Förderung der jungen, innovativen Unternehmen durch Eigenkapital erführen in Deutschland keinerlei Unterstützung. Viel mehr würden sie sogar durch Rechtsunsicherheiten und (steuer-)rechtliche Regelungen behindert.
Dirk Honold, Leiter der BIO Deutschland-Arbeitsgruppe "Finanzen und Steuern", lenkte den Blick auf die spezifisch deutsche Situation der Finanzierung und Nachteile, die der Branche dadurch resultierten. Die deutsche Biotechnologie-Branche könnte für ausländische Investoren durchaus an Reiz gewinnen. "Wenn bestehende Nachteile für die Innovationsfinanzierung durch Beteiligungskapital beseitigt sind, bedeutet dies erst eine Annäherung an internationale Standards. Ergänzend sollten Anreize für Investoren geschaffen werden, ihr Kapital in Innovation am Standort Deutschland zu investieren", so Honold.
An dem CEO&CFO-Meeting nahmen mehr als 100 Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer von Biotechnologiefirmen sowie Branchenexperten teil. Das Treffen wird von der West LB AG als Hauptsponsor sowie von Sanofi-Aventis unterstützt.

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