Ärzte Zeitung, 01.02.2010

Platzt an der Börse bald die nächste Blase?

Der Aufwärtstrend der Aktienmärkte ist zu Ende. Die Ähnlichkeit zur Weltwirtschaftskrise 1929/30 ist groß. Für Anleger ist daher Vorsicht geboten.

Von Jürgen Lutz

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Nach dem ersten Schreck haben sich die Kurse wieder erholt. Wenn aber alles nur eine große Blase ist? ©Aamon fotolia.com

Während viele Analysten für die ersten Monate 2010 zunächst einen Anstieg der Aktienkurse erwarten und allerlei ermutigende Begründungen verwenden - steigende Unternehmensgewinne, Nullzinspolitik in den USA oder frische Konjunkturprogramme, zeichnen die Börsen selbst inzwischen ein anderes Bild: Der definitive Bruch des Aufwärtstrends aus dem März 2009 bei Dax, Dow Jones und Co. in der dritten Januarwoche ist ein wichtiges Signal, dass die Aktienmärkte deutlich früher unter Druck geraten könnten als erwartet. Kommt es zu einem Ausverkauf, könnte dies den Index im Lauf der nächsten Jahre tiefer stürzen lassen, als viele sich derzeit vorstellen wollen - vielleicht sogar unter das 2009er-Tief von 3600 Punkten.

Die Kursverluste sind zu großen Teilen wettgemacht

Die meisten Aktienindizes der Industrieländer haben aktuell 50 Prozent bis 60 Prozent der Kursverluste seit Ende 2007 wettgemacht. Ein Rücklauf der Kurse in diesem Ausmaß ist typisch für die erste Welle der Erholung in sogenannten Bärenmärkten, in denen der große Trend nach unten weist. Meist drehen die Indizes an diesen Marken um und fallen im Anschluss mit noch größerer Vehemenz weiter. Bereits in den vergangenen Monaten zeichnete sich ab, dass die Marktteilnehmer, die auf steigende Kurse setzen, an Kraft verloren: So kam der Dax von Oktober bis Januar lediglich drei Prozent voran. Trotz dieses zähen Anstiegs wurden die Anleger immer optimistischer. Solche Diskrepanzen zwischen den Fakten (Kursen) und der Einschätzung der Zukunft sind typisch für Wendepunkte an den Finanzmärkten.

Derzeit befinden wir uns in der Phase, in der die Stimmung den Kursen hinterherläuft. So haben die Marktteilnehmer, die auf steigende Notierungen setzen, mit dem Bruch des Aufwärtstrends bereits entscheidendes Terrain preisgegeben, die Stimmung aber ist noch positiv. Dabei würde ein Blick in die Geschichte Anlegern das Blut gefrieren lassen: Das Bild, das der Kursverlauf des US-amerikanischen Index Dow Jones aktuell bietet, gleicht bis in die Details dem Verlauf dieses Aktienbarometers zum Start der Weltwirtschaftskrise (1929/30). Nach seinem ersten Absturz legte der Index um 50 Prozent zu - und fiel dann innerhalb von zwei Jahren um 87 Prozent. Bezogen auf die aktuellen Indexstände von Dow Jones (rund 10 000) und Dax (5600), würde dies einem Stand von 1300 im Dow Jones und 730 Zählern im Dax entsprechen.

Privatleute sollten die Finger von Aktien lassen

Zwei Folgerungen ergeben sich daraus: Erstens dürfte es für Privatanleger aktuell kaum sinnvoll sein, in der nächsten Zeit Aktien oder Aktienfonds im Depot zu haben - außer es handelt sich um Papiere von Top-Unternehmen, die für mindestens zehn Jahre, besser noch länger im Depot bleiben sollen. Stattdessen kann man Kurserholungen zum Verkauf nutzen, bevor die Kurse in der nächsten Abwärtswelle nachgeben. Spekulativ orientierte Anleger, die sich des Risikos bewusst sind und genügend Erfahrung besitzen, können über Fonds oder Zertifikate von fallenden Kursen profitieren.

Doch nicht nur Aktien wären zu meiden, sondern auch Unternehmensanleihen und Papiere anderer Schuldner, die nicht über jeden Zweifel erhaben sind. Denn ein Börsen-Crash, der nur ansatzweise die Dimension der 30er-Jahre erreicht, würde große Verwerfungen in den Volkswirtschaften mit sich bringen: Unternehmens-, aber auch Bankenpleiten sowie deutlich steigende Arbeitslosenzahlen wären die Folge. Angesichts der monetären Bomben, die in manchem Staatshaushalt schlummern - Stichwort: Griechenland -, könnte die nächste Welle der Krise durch einen Staatsbankrott ausgelöst werden.

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