Ärzte Zeitung online, 04.02.2010

Merck KGaA-Pharma-Chef Schnee bekräftigt Prognosen für 2009

Frankfurt am Main (dpa). Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA erwartet trotz der Rückschläge in der Arzneimittelentwicklung für die Pharmasparte ein starkes Wachstum. "Wir haben derzeit neun Medikamentenkandidaten in Phase III und insgesamt 29 Projekte in der Entwicklung", sagte Elmar Schnee, Leiter der Pharmasparte, in einem Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Von einer Krise sieht Schnee in der Pharmasparte keine Spur: "Wir halten an unserer Prognose vom dritten Quartal fest und gehen davon aus, dass das Pharmageschäft auch in den nächsten Jahren stark wächst." 2009 rechnet Merck für seine größte Sparte Merck Serono mit einem Umsatzplus von sechs Prozent. Die Jahresbilanz will der Konzern am 23. Februar vorlegen.

Allein das Krebsmittel Erbitux® (Cetuximab) hat im dritten Quartal nach Angaben von Schnee beim Umsatz um 33 Prozent zugelegt. Schnee traut Erbitux® noch einen Blockbuster-Umsatz zu - also Erlöse von 1 Milliarde Euro oder mehr. Das frühere Ziel, dies bis 2011 zu erreichen, verzögere sich allerdings nach der negativen Entscheidung der Europäischen Zulassungsbehörde EMEA zum Einsatz bei Lungenkrebs.

Der Pharmazweig stand Ende 2009 mit der negativen EMEA- Entscheidung zu Erbitux® bei Lungenkrebs sowie der FDA-Entscheidung, den Zulassungsantrag für das orale Multiple-Sklerose-Mittel (MS) Cladribin nicht anzunehmen, unter keinem glücklichen Stern. Erbitux®, bereits zugelassen gegen Kopf- und Halskrebs sowie Darmkrebs, ist für Merck KGaA das zweitwichtigste Produkt nach dem MS-Mittel Rebif® (Interferon beta-1a). Rebif® sei bis 2012 in Europa und bis 2013 in den USA patentgeschützt. Und mit Cladribin will Merck KGaA ein Rebif®-Nachfolgeprodukt auf den Markt bringen - erstmals als Tablette.

Merck liefert sich mit dem Schweizer Wettbewerber Novartis bei der Markteinführung des ersten oralen MS-Produktes ein Kopf-an-Kopf- Rennen. Die Schweizer trauen ihrem Mittel FTY720 (Fingolimod) jährliche Spitzenumsätze von 1 Milliarde Dollar und mehr zu. Merck KGaA lehnt Aussagen zur Umsatzerwartung ab. Analysten nahmen vor der FDA- Entscheidung Ende 2009 an, dass Cladribin auf einem 7 bis 8 Milliarden Dollar großen Markt relativ sicher und schnell die Milliarden-Umsatz-Hürde überspringen würde. Von dieser Erwartung sind zahlreiche Analysten inzwischen abgerückt.

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