Ärzte Zeitung, 26.02.2010

Merck KGaA setzt auf seine volle Pipeline

2009 war kein Erfolgsjahr für die Merck KGaA. Doch der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern gibt sich optimistisch. In der Pipeline sind so viele Produkte wie noch nie.

Von Christoph Winnat

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Die Merck KGaA meldet zehn Produktkandidaten in der fortgeschrittenen klinischen Entwicklung. © Merck

DARMSTADT. Mit einem Nettogewinn auf Vorjahresniveau hat der börsennotierte Familienkonzern Merck KGaA das Krisenjahr 2009 "besser als zunächst zu befürchten war" gemeistert, so Vorstandschef Karl-Ludwig Kley bei Bekanntgabe der Bilanz in Darmstadt. Operative Einbußen von knapp 43 Prozent konnten durch eine niedrigere Steuerquote, ein besseres Finanzergebnis sowie erheblich geringere Sondereinflüsse als 2008 kompensiert werden, so dass netto mit 377 Millionen Euro nur 0,6 Prozent weniger verdient wurden als im Vorjahr. Dabei resultierten die Belastungen im operativen Geschäft nicht allein aus der Wirtschaftskrise.

Mit zehn Produktkandidaten in Phase III habe Merck so viele neue Arzneimittel in der fortgeschrittenen klinischen Entwicklung wie nie zuvor, sagte Kley. Bereits 2008 stiegen die F&E-Investitionen zweistellig.

Jetzt legte der Konzern nochmal eine Schippe drauf, mit 1,2 Milliarden Euro zehn Prozent mehr. Das heißt, die F&E-Quote beträgt derzeit 22 Prozent der Pharma-Erlöse - deutlich mehr als die selbst gesetzte Marke von 20 Prozent. Aber man sei bereit, so Kley, diesen Zustand noch länger durchzuhalten.

Zusätzliche Ausgaben könnte beispielsweise die neue Blockbuster-Hoffnung Cladribine erfordern. Denn während das Zulassungsverfahren nach der Versicherung Kleys bei der EMEA planmäßig läuft, hatte die US-Behörde FDA Anfang Dezember den Antrag für das orale MS-Mittel zurückgewiesen. Die Abstimmung mit der FDA über eine erneute Einreichung der Zulassungsunterlagen sei "konstruktiv" und finde in "guter Atmosphäre" statt, versicherte Kley. Mehr wollte er zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht sagen, so auch nicht, ob eventuell weitere klinische Studiendaten gefordert werden.

Belastungen für das PharmaGeschäft ergaben sich 2009 unter anderem durch Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten, Abschreibungen immaterieller Vermögenswerte im Zusammenhang der Serono-Übernahme sowie Mehrausgaben für Vertrieb und Verwaltung. Bei einem Umsatz mit verschreibungspflichtigen Originalpräparaten von 5,3 Milliarden Euro (+ 6,6 Prozent) lag der operative Gewinn mit 355 Millionen Euro 40 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Auch Mercks Geschäft mit OTC-Produkten ("Consumer Health Care") büßte operativ ein, um 21 Prozent auf 48 Millionen Euro. Hier resultiert der Einbruch jedoch nur aus Vergleichseffekten. Im Vorjahr hatten Markenverkäufe einen hohen Sonderertrag erbracht. Im margenstarken Geschäft mit Flüssigkristallen ging der Umsatz 2009 um 17 Prozent auf 733 Millionen Euro zurück. Erwartet worden war zunächst ein Einbruch von 20 Prozent. Mit Pigmenten für die Kosmetik- und Automobilindustrie setzte Merck knapp vier Prozent weniger um (1,2 Milliarden Euro). Hier hatte Merck zunächst Kurzarbeit angemeldet. Inzwischen, so Finanzvorstand Michael Becker, sei die Auslastung in der Pigmentproduktion wieder recht gut. Nichts deute darauf hin, "dass wir wieder in Kurzarbeit gehen müssten".

Auch für die anderen Unternehmensbereiche Mercks sieht die laut Becker derzeit noch eher "konservative Jahresprognose" nicht schlecht aus. Der Gruppenumsatz soll 2010 um drei bis sieben Prozent steigen, der operative Gewinn zwischen 20 und 30 Prozent.

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