Ärzte Zeitung, 22.03.2010

Teva setzt sich an Spitze des Generikamarkts

Lange wurde über den Verkauf von ratiopharm spekuliert. Jetzt bekam Teva den Zuschlag: für 3,625 Milliarden Euro. Doch das soll nicht Tevas letzte Kaufaktion sein.

Von Ilse Schlingensiepen

Teva setzt sich an Spitze des Generikamarkts

Am 18. März um 12:28 Uhr hatten Hans-Joachim Ziems, Geschäftsführer der VEM (links), und Shlomo Yanai, Vorstandschef von Teva, den Verkauf von ratiopharm besiegelt. © iss

KÖLN. Nach dem Kauf der deutschen ratiopharm-Gruppe ist der Übernahme-Appetit des Generika-Weltmarktführers Teva Pharmaceutical Industries noch nicht gestillt. Bis zum Jahr 2015 will die Gruppe den Umsatz von heute 16,2 Milliarden US-Dollar (ca. 11,9 Milliarden Euro) - inklusive ratiopharm - auf 31 Milliarden Dollar steigern.

"Zwei Drittel des Wachstums sollen organisch sein, ein Drittel durch Akquisitionen kommen", kündigte der Vorstandsvorsitzende von Teva Shlomo Yanai nach der Vertragsunterzeichnungn in Köln an.

Um 12:28 Uhr am 18. März war der Verkauf von ratiopharm an Teva besiegelt. Im Bieterstreit um das deutsche Unternehmen hatte das israelische Unternehmen die Konkurrenten Pfizer und Actavis aus dem Rennen geschlagen.

Mit der Vertragsunterzeichnung sei ein komplizierter und komplexer Prozess zu Ende gegangen, sagte Hans-Joachim Ziems, Geschäftsführer der bisherigen ratiopharm-Eignerin VEM Holding. "Der Verkauf war keine langfristig geplante Entscheidung, sondern kam aus dem Druck heraus."

Die Merckle-Gruppe, zu der auch VEM gehört, musste den Generika-Hersteller verkaufen, um Schulden abzubauen und einen Zusammenbruch zu verhindern.

VEM profitierte davon, dass drei Unternehmen großes Interesse an der Übernahme hatten, das wirkte sich positiv auf den Preis aus. Teva zahlt 3,625 Milliarden Euro, inklusive der ratiopharm-Verbindlichkeiten. VEM ist damit schuldenfrei. Teva habe den besten Preis geboten, sagte Ziems.

Durch die Übernahme wird Teva zum größten Hersteller von Nachahmerprodukten in Europa und zur Nummer zwei in Deutschland hinter Hexal. Mit ratiopharm übernimmt das Unternehmen auch die ebenfalls zur Gruppe gehörenden Hersteller CT und AbZ.

Die Übernahme muss jedoch noch von den zuständigen Kartellbehörden genehmigt werden. Teva-Chef Yanai rechnet allerdings nicht mit Problemen. Der Grund: Die Portfolios seien in weiten Teilen komplementär.

"Wir haben für ratiopharm nicht zu viel, sondern den richtigen Preis bezahlt", betonte Yanai. Die Übernahme habe strategische Bedeutung für das Unternehmen. Für Teva sei es wichtig, jetzt der zweitgrößte Anbieter im zweitgrößten Generikamarkt der Welt zu sein.

"ratiopharm wird die Drehscheibe für unsere europäische Wachstumsstrategie", sagte Gerard van Odijk, der Europa-Chef der israelischen Gruppe. Bis zum Jahr 2015 soll sich Tevas Umsatz in Europa verdreifachen. Heute liegt er bei 3,3 Milliarden Dollar - mit ratiopharm sind es bereits 5,2 Milliarden. Dollar.

Die Standorte von ratiopharm in Ulm und Blaubeuren könne man als Weltmarktführer noch besser auslasten als bisher, sagte er. "Der neue Sitz des gemeinsamen Unternehmens wird Ulm sein", kündigte van Odijk an. "Wir waren von den Produktionsstätten beeindruckt", berichtete Yanai.

Künftig hält er auch einen Ausbau der Produktion in Deutschland für möglich. Durch das Zusammengehen lassen sich Synergieeffekte von 300 Millionen Euro erzielen, schätzt er. Die Marke ratiopharm werde Teva definitiv behalten.

Gerade wegen des hohen Bekanntheitsgrades der Marke könne das deutsche Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Wachstumsstrategie von Teva leisten, sagte Oliver Windholz, Vorsitzender der Geschäftsführung von ratiopharm. Wegen der internationalen Produktpalette und durch das Know-how sei das Unternehmen ein idealer Partner. "Der wichtigste Punkt: Wir haben dasselbe generische Geschäftsverständnis", sagte Windholz.

Das sei in dieser Branche ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Denn Wachstum brauche kompetente Mitarbeiter. "ratiopharm hat diese Mitarbeiter."

ratiopharm erzielte im vergangenen Jahr weltweit einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt 5500 Mitarbeiter, die neue Gruppe kommt auf insgesamt 40 000.

Für die Eignerfamilie Merckle begrüßte Ludwig Merckle den Verkauf an Teva. "Ich glaube, dass der Zusammenschluss mit dem größten Generikahersteller weltweit es ratiopharm ermöglichen wird, weiter zu wachsen und erfolgreich zu sein." Für die Gründerfamilie sei die Trennung von dem Unternehmen ein "schmerzvoller Schritt".

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