Ärzte Zeitung online, 19.03.2010

Die Spekulationen schießen ins Kraut: Ist nach ratiopharm nun Stada dran?

BAD VILBEL (dpa). Nach der milliardenschweren Übernahme des Ulmer Konkurrenten ratiopharm durch den israelischen Branchenriesen Teva sind sich Analysten und Anleger zunehmend sicher, dass Stada als nächstes dran ist. Der Aktienkurs kennt seit Monaten nur noch die Richtung nach oben.

Das Städtchen Bad Vilbel bei Frankfurt hat neben gutem Mineralwasser eine ökonomische Besonderheit zu bieten: Mit Stada residiert dort der einzige börsennotierte Hersteller von Generika Westeuropas. Mit einigem Erfolg haben sich die Hessen in den vergangenen Jahren darauf spezialisiert, Medikamente mit abgelaufenem Patentschutz nachzubauen und in großen Mengen zu günstigen Preisen auf den Markt zu bringen. Doch mit der Eigenständigkeit könnte es bald vorbei sein:

Mit einem Umsatz von 1,57 Milliarden Euro und einem Gewinn von zuletzt 100 Millionen Euro zählt Stada zu den mittelgroßen Unternehmen und ist im MDax gelistet. "Sie haben keine Verteidigungsmechanismen und keinen Großaktionär, der sie schützt", sagt trocken der Pharma-Analyst der Frankfurter Privatbank Metzler, Sebastian Frericks. Die Stada-Aktien sind komplett im Streubesitz.

Einer feindlichen Übernahme steht daher wenig entgegen, aber auch eine einvernehmliche Lösung mit möglichen Aufkäufern scheint nicht unmöglich. Das Unternehmen selbst schweigt dazu: "Marktgerüchte kommentieren wir nicht", erklärte am Freitag eine Sprecherin.

Auf der Käuferseite stehen große Pharma-Konzerne bereit. Allein schon die bei ratiopharm unterlegenen Bieter wie der US-Riese Pfizer und die isländische Actavis könnten nach neuen Gelegenheiten Ausblick halten. "Die industrielle Logik ist da", sagt Frericks. Bei der Herstellung von Generika gehe es in weltweiter harter Konkurrenz nahezu ausschließlich um den Preis, den man vor allem mit großen Mengen drücken könne, erläutert sein Kollege Oliver Rakau von der Deutschen Bank Research. Noch ist nicht ausgemacht, wie aggressiv Teva mit der Neuerwerbung ratiopharm in die Märkte gehen wird.

Zusätzlich stehen die Branchenriesen unter erheblichem Druck, sich breiter aufzustellen. "Bis 2013 laufen Patente für Medikamente, darunter zahlreiche Blockbuster, mit einem Umsatz von insgesamt rund 100 Milliarden Euro oder 17 Prozent des Welt-Pharmamarktes aus", sagt der Pharma-Experte der DZ-Bank, Thomas Maul. Die Zulassung neuer Präparate, die an die Stelle der alten Verkaufsschlager treten könnten, sei besonders in den USA immer schwieriger geworden. In der Vergangenheit mussten die Hersteller mit ihren hohen Forschungsaufwendungen zudem zahlreiche Rückschläge in der Spätphase der Produktentwicklung hinnehmen.

Dem stehen gute Absatzchancen der billigen Nachahmer-Pillen insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern entgegen. Stada ist ziemlich erfolgreich auf den Märkten in Russland und in Serbien unterwegs. In den kommenden Jahren dürfte der Generika-Markt weltweit schneller wachsen als der für patentgeschützte Medikamente, sagt der DZ-Bank-Experte Maul.

Außerdem gibt es mit Generika möglicherweise auch in Deutschland bald wieder mehr zu verdienen, nachdem die Krankenkassen in Einzelverhandlungen mit den Herstellern die Preise ordentlich gedrückt hatten. Analyst Maul setzt auf Ankündigungen der schwarz-gelben Koalition in Berlin: "Wir rechnen damit, dass die neue Bundesregierung die Verträge wie im Koalitionsvertrag angekündigt überprüft. Ganz verschwinden werden sie wohl aber nicht."

www.stada.de

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