Ärzte Zeitung online, 09.04.2010

Merck KGaA: "2010 wird kein leichtes Jahr"

FRANKFURT/MAIN (dpa). Der Pharma- und Chemiekonzern Merck blickt nach einem schwierigen Vorjahr zurückhaltend in die Zukunft. "Wir haben 2009 unsere Hausaufgaben gemacht und gehen gestärkt aus der Krise hervor, aber auch 2010 wird kein leichtes Jahr werden", sagte der Chef des Dax-Konzerns, Karl-Ludwig Kley, am Freitag auf der Hauptversammlung in Frankfurt.

Dennoch will das Darmstädter Unternehmen in diesem Jahr wieder wachsen. Im Vorjahr musste Merck einen operativen Ergebniseinbruch um 43 Prozent auf 649 Millionen Euro und Rückschläge in der Pharmaforschung hinnehmen.

 Die Dividende soll um ein Drittel auf 1 Euro gekürzt werden. Langfristig will die Merck KGaA ihre Ausschüttungspolitik nicht ändern und 30 bis 40 Prozent des Gewinns nach Steuern ausschütten. 2009 belegten Merck-Titel in Bezug auf die Börsenkapitalisierung nur noch Rang 29 unter den 30-Dax-Werten.

2009 habe einer Achterbahnfahrt geglichen, sagte Kley. Besonders schmerze die fehlende Zulassung für das Krebsmittel Erbitux zur Behandlung von Lungenkrebs. Erbitux, bereits zugelassen gegen Kopf- und Halskrebs sowie Darmkrebs, ist das zweitwichtigste Merck-Produkt nach dem Multiple-Sklerose-Mittel Rebif.

Kley bestätigte jedoch seinen Ausblick vom Februar: In diesem Jahr will das Unternehmen beim Umsatz um 3 bis 7 Prozent und beim operativen Ergebnis um 20 bis 30 Prozent zulegen. Die größte Sparte, das Biopharma-Segment Merck Serono, soll in den kommenden Jahren der Wachstumstreiber sein. Merck peilt hier einen Zuwachs der Gesamterlöse von 2 bis 5 Prozent und ein Plus des operativen Ergebnisses um 30 bis 40 Prozent an.

Der Merck-Chef zeigte sich zudem für den Abschluss der jüngsten Milliardenübernahme in den USA zuversichtlich: "Wir sind optimistisch, dass die Kartellbehörden dem Zusammenschluss mit Millipore die Freigabe erteilen." Im zweiten Halbjahr solle alles in trockenen Tüchern sein. Die Darmstädter hatten Anfang März nur wenige Jahre nach der Übernahme des Schweizer Biotech- Konzerns Serono den zweiten Zukauf in Milliardenhöhe angekündigt. Merck will Millipore für rund 7,2 Milliarden Dollar (5,3 Milliarden Euro) inklusive Schulden übernehmen.

Kritik übte der Merck-Chef an den Reformplänen der Bundesregierung. Auf dem Arzneimittelmarkt würden seit Jahrzehnten ständig neue Regelungen eingeführt, sagte Kley. Inzwischen nähmen mehr als 20 verschiedene Instrumente Einfluss auf Preis, Menge und Struktur von Arzneimitteln.

Wo wettbewerbliche Verhandlungslösungen und Kosten-Nutzen-Bewertungen nötig wären, drohten nun eine dirigistische Erhöhung des Zwangsrabattes, Preismoratorien und Preisverhandlungen mit einem Kassenmonopol. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will die Pharma-Industrie an die Preisleine legen. Wegen der stetig wachsenden Ausgaben für Arzneimittel soll es so schnell wie möglich einen Preisstopp für teure Medikamente geben.

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